Grauen befiel ihn. Er jagte den Steig hinunter, wie von Sinnen die Arme um das Kind geklammert.

Die Wälder sah er tanzen und die Berge laufen. Und als er die Häuser erreichte, machten sie Purzelbäume – alle gegen seinen Kopf hin über das Franzerl weg.

Da war seine Stube – seine Mutter – er streckte ihr das Kind entgegen – „Jesus, Maria!“ dann brach er zusammen und stürzte mit blutübergossenem Gesicht auf die weißen Dielen.

Benno hatte sich über Friedls Verschwinden geärgert

Benno hatte sich über Friedls Verschwinden beim Scheibenschießen bös geärgert. Und als auch die Preisverteilung am Nachmittag vorübergegangen war, ohne daß Friedl sich sehen ließ, hatte Benno verdrossen ein Wägelchen bestellt, um einen Ausflug nach dem Achensee zu machen. Dort unterhielt er sich so gut, daß er seinen Aufenthalt im sanglustigen Rainerhof über fünf Tage ausdehnte. Dann wanderte er durch den Bergwald zurück nach Fall.

Es wurde späte Nacht, bis er seine Sommerstation wieder erreichte. Im Forsthaus war alles schon in Schlaf und Ruhe. Erst nach langem Klopfen öffnete ihm die Försterin das Haus.

„Da bin ich wieder! Schlaft denn der Förster schon?“

„Ah na! Der is gar net daheim. Im Rauchenberg muß er Aufsicht halten, seit der Friedl liegt.“

„Liegt? Der Friedl?“

„Ja! Was sagen S’, Herr Doktor! Mit’m Friedl sind schöne Gschichten passiert! Am selbigen Abend, wie S’ davonkutschiert waren – ich bin grad vor der Haustür gstanden –, da kommt der Friedl hergrennt von der Dürrachklamm. Kein’ Hut hat er ghabt, über und über blutig im Gsicht, a Kindl am Arm – und auf kein’ Ruf hat er ghört, und fortgrennt is er, allweil zu, und eini in seiner Mutter ihr Haus. Natürlich, der Förster und ich, wir springen gleich ummi. Und drüben in der Stuben steht dös alte Weibl, ’s Kind am Arm, vor lauter Schrecken halber narret. Und der Friedl liegt am Boden im Blut und macht kein’ Muckser nimmer!“