„Ach, du lieber Himmel!“

„Ja, dös sind Gschichten gwesen! Und kein Mensch hat sich denken können, was passiert is! Da hat’s jetzt gheißen: zugreifen! Ich und mein Mann, wir haben den Friedl aufpackt und ummitragen aufs Bett. Und wie ihm der Meinige den Schuh vom Fuß zieht, is ’s Blut nur so gstanden drin, und der Fuß hat grausam ausgschaut. Gleich hat der Meinige einspannen müssen und einifahren auf Lenggries und den Dokter holen. Und der Friedl hat kein’ Menschen nimmer kennt, vor lauter Fieber, und so liegt er jetzt schon im sechsten Tag.“

„Und weiß man, was da geschehen ist?“

„Wissen! Was heißt wissen? Freilich weiß man was – und weiß wieder nix! Der Friedl selber hat noch net reden können. Dafür reden d’ Leut um so mehr. Dös Büberl drüben, wissen S’, dös is der Modei ihr Kind. Und der Friedl hat ihr ’s Büberl am Sonntag auf d’ Alm auffitragen. Und jetzt sagen halt d’ Leut, der Friedl müßt schon lang mit der Modei im Gspusi sein und wär der Vater von ihrem Kind. Aber was am Sonntag auf der Alm droben gschehen is? Auf’m Heimweg hat ihn halt a Steinschlag troffen. Aber d’ Leut plauschen so hin und her, und a jeder denkt ebbes anders. Jetzt ich denk mir gar nix. Ich kann’s abwarten, ’s wird schon noch alles aufkommen! Also, gut Nacht! Und schlafen S’ Ihnen ordentlich aus!“

Das war keine gute Nacht für Benno. Was er gehört hatte, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.

Am Morgen nahm er sich kaum Zeit für das Frühstück. Ohne Hut, in den Hausschuhen, sprang er hinüber zu Friedl. Als er in den Flur trat, kam die Bäuerin gerade aus der Kammer ihres Buben. In ihrem Gesicht stand der Kummer zu lesen, mit allen Zeichen durchwachter Nächte. Und bei Bennos Anblick schossen ihr gleich die Tränen in die Augen.

„Wie geht’s dem Friedl?“

„Ich dank schön, a bißl besser! Seit gestern am Abend hat sich ’s Fieber glegt. Aber schwach is er halt, arg schwach.“

„Darf man zu ihm hinein?“

„Ja, Sie schon! An Ihnen hängt er gar arg!“