Benno trat in die Krankenstube und drückte lautlos hinter sich die Tür wieder zu. Wenn auch draußen die Sonne niederglänzte über Fall und seine Häuser, so füllte doch ein tiefes Dunkel den kleinen, stillen Raum. Nur durch die schmalen Klunsen der geschlossenen Fensterläden stahlen sich feine Lichtbündel herein in die kühle Dämmerung und zeichneten goldene Linien und farbige Punkte auf die gegenüberliegende Wand.
Jedes Geräusch vermeidend, ging Benno zum Bett und hörte einen schweren Atemzug. Im Zwielicht sah er auf geblumten Kissen das blasse, verpflasterte Gesicht des Jägers liegen, mit einem weißen Bund über Stirn und Augen.
„Friedl?“ fragte er leis.
Keine Antwort. Es schien nur, als würde dem Kranken das Atmen leichter.
„Kennst du meine Stimme?“
Der Jäger nickte. Dann ein flüsterndes: „Gott sei Lob und Dank!“
„Um’s Himmels willen, Bub, was ist denn geschehen mit dir?“
Der Atem des Kranken schien sich wieder zu erregen. Das Gesicht auf die Seite drehend, sagte er mühsam: „Der Dokter hat mir ’s Reden verboten.“
„Na also, dann folg nur schön! Ich bleibe bei dir.“ Benno ließ sich neben dem Bett auf einen Sessel nieder. In das einförmige Ticken der Schwarzwälderuhr, die neben dem Türstock hing, mischte sich ein heiteres Kinderlachen, das von der Wohnstube durch die beiden geschlossenen Türen gedämpft herüberklang.
Da knarrte die Bettlade, und der Kranke hob sich halb aus den Kissen.