„Langsam, langsam, Friedl!“ fiel Benno ein, der in Sorge war, daß er zuviel des Guten gesagt und in Friedl eine trügerische Hoffnung erweckt hätte. „Brennt bei dir schon wieder die Lieb mit der Einsicht durch? Hoff du fürs erste nichts, gar nichts! Aber nimm dir vor, mit ruhigem Blut der Wahrheit nachzugehen, sobald du wieder frisch und gesund auf genagelte Sohlen kommst.“

„Wann’s nur so leicht wär, Herr Dokter: ein’ Tag um den andern so hinwarten müssen –“ Friedl schwieg und blickte zur Tür hinüber.

Seine Mutter trat ein und brachte einen Teller mit Suppe. „So, Bub, da hast a bißl ebbes!“

Während Friedl aß, stand sie zu Füßen des Bettes und plauderte mit Benno über das merklich gebesserte Aussehen des Sohnes.

Nun reichte ihr Friedl den leeren Teller. „Wer is denn drüben beim Kind?“ fragte er.

„Niemand. Es hockt am Boden und häuselt.“

„Geh, bring mir’s a bißl ummi!“

Die alte Frau verließ die Kammer.

„Herr Dokter“, sagte Friedl, schwer atmend, „Sö haben mir a Wörtl gsagt, dös mir hart auf d’ Seel gfallen is. Ich hätt nach meiner Dienstpflicht den Blasi runterführen müssen zum Förster! Und ich – ich hab ihn laufen lassen! Der Modei z’ lieb. Schon selbigsmal am Heimweg hab ich mir denken müssen, daß ich mich am Dienst versündigt hab. Und seit ich aus’m Fieber aufgwacht bin, lieg ich allweil in der ewigen Angst, ob net der Förster jede Minuten da einikommt zur Tür und ’s Verhören anfangt –“

„Da mach dir keine Gedanken!“ unterbrach ihn Benno. „Der Förster ist heute gar nicht daheim, und wenn er kommt, will ich ihn abfangen und in aller Ruhe mit ihm reden.“ Er stand vom Sessel auf. „Für heut haben wir schon ein bißl zuviel miteinander geschwatzt. Ich will hoffen, daß es dir nicht von Schaden ist. Schau jetzt, daß du schlafen kannst! Und mach dir keine unnötigen Sorgen! Es wird alles noch recht werden! Also, gut Nacht!“