„Gut Nacht, Herr Dokter! Und tausendmal Vergeltsgott!“ In den Augen des Jägers leuchtete ein dankbarer Blick. „Aber gelt, morgen kommen S’ wieder ummi zu mir?“
„Natürlich! Also gut Nacht jetzt!“
„Gut Nacht!“
Benno ging, während die Mutter das Franzerl brachte, das lachend und zappelnd die Ärmchen nach dem Jäger streckte. –
Am andern Morgen durfte Friedl für ein paar Stunden aufstehen. Die Wunde an seiner Wange fing zu verharschen an, so daß er den Verband ablegen konnte. Mit dem Fuß sah es noch übel aus; der schmerzte auch beim vorsichtigsten Auftreten noch empfindlich; das käme nur von einer Sehnenschwellung, meinte der Arzt, die sich bei mäßiger Bewegung rascher beheben würde als in der Ruhe. –
Gegen Abend kam der Förster nach Hause. Benno, der ihn an der Tür erwartet hatte, ging ihm nicht mehr von der Seite. Und nach dem Abendessen, als die beiden mit ihren qualmenden Pfeifen allein waren, erzählte Benno dem Förster alles, was er wußte, und schilderte ihm die drückende Sorge, die dem Friedl das Jägergewissen beschwerte.
„Du mein Gott, ich kann ihm den Kopf auch net abireißen!“ meinte der Förster. „Ich hab mir’s eh gleich denkt, daß so a verruckte Liebsgschicht dahintersteckt. Und der Lenggrieser Dokter hat’s natürlich kennt, daß der Friedl am Backen an Streifschuß hat. Wie mir die Alte gsagt hat, daß der Friedl am selbigen Nachmittag bei der Modei droben war, hab ich mir denkt: da mußt a bißl nachschauen! No ja, und da bin ich nacher auffi auf d’ Alm. Meiner Seel, ’s Madl hat mich erbarmt – so verweint hat’s ausgschaut. Und kaum a Wörtl hab ich aussibracht aus ihr. Lang hab ich allweil so rumgredt, bis ich am End kurzweg gfragt hab, ob’s wahr is, daß der Friedl am Sonntag heroben war. ’s Madl hat bloß an Deuter gmacht. ‚Und was war denn nacher?‘ hab ich gfragt. Da hat’s mich angschaut mit kugelrunde Augen, hat d’ Händ vors Gsicht gschlagen und hat zum zittern angfangt wie an arme Seel, dö ’s Fuier spürt und net weiß, ob’s in d’ Höll kommt oder bloß ins Fegfuier. Was hab ich da weiter machen können? Ich hab mir halt denkt: Wartst es ab, bis der Friedl selber redt! Und bin wieder abgschoben.“
„Haben Sie dem Mädel gesagt, was mit dem Friedl auf dem Heimweg passiert ist?“
„Gott bewahr! So gscheid war ich schon, daß ich den Schnabel ghalten hab. Dö Gschicht mit’m Steinschlag is mir net plausibel gwesen. Ich hab mir eh gleich denkt: da stinkt ebbes in der Fechtschul. Hat ’s Madl a Schuld dran, so hätt ihr jeds unfürsichtige Wörtl bloß an Weg zum Aussilügen aufgwiesen. Kann aber ’s Madl nix dafür – so hab ich mir denkt – und hat’s ebbes mit’m Friedl, da kunnt ’s an schauderhaften Schreck davon haben. Umsonst muß man d’ Leut net plagen. ’s Maulhalten is gscheider.“
„Und jetzt, da Sie alles wissen – was wollen Sie tun?“