„Dem saubern Herrn Blasi wird vor allem ’s Handwerk glegt. Gleich morgen schick ich an Bericht nach Tölz eini! Also, sei’ Büchsen hat er droben bei der Hütten liegenlassen? Wer weiß, ob er’s schon gholt hat? Jedenfalls schick ich bei Glegenheit den Hies drum auffi. Wann der Blasi ans Wiederkommen denken möcht, soll’s ihm der Hies versalzen! Und jetzt kommen S’, Herr Dokter, jetzt schauen wir mitanand a bißl ummi zu dem verliebten Heuschniggl!“

Als sie hinüberkamen und in die Stube traten, saß Friedl am Tisch und baute dem Franzerl ein schönes Kartenhaus.

Das waren stille, schwermütige Tage in der Hütte

Das waren stille, schwermütige Tage in der Hütte auf der Grottenalm.

Modei ging bleich und vergrämt herum; wortkarg tat sie ihre Arbeit, und wenn Punkl oder Monika in der Hütte zusprachen, bekamen sie nicht viel anderes zu hören als ein „Grüß Gott!“ und „Pfüet dich!“ Auch mit dem Bruder redete Modei nur, was die gemeinsame Arbeit verlangte. Und bei der Verstörtheit, die ihr Gemüt umklammert hielt, hatte sie keinen Blick für die seltsame Wandlung, die sich von Tag zu Tag immer deutlicher im Wesen des Bruders vollzog. Die Wahnbilder seines irren Erinnerns schienen in ihm erloschen zu sein. Immer befand er sich in einem Zustand verträumten Suchens, redete wunderliche, unzusammenhängende Dinge und wurde schließlich von einer verdrossenen Gereiztheit befallen, weil ihm dieses trübselige Zusammenleben mit der wortkargen Schwester täglich unleidlicher wurde. Und wenn er einen Versuch machte, von jenem Sonntag und seinen Folgen zu reden, wurde Modei noch stiller und verschlossener.

Oft, wenn er unter Tags auf die Schwester zutrat, mußte er sehen, wie sie hastig das Gesicht auf die Seite drehte, um ihre Tränen zu verbergen. Wenn er in der Nacht erwachte, hörte er sie leise weinen und beten. Nach schlaflosen Nächten hatte sie zerbrochene Tage, und die sonst so Fleißige wurde bei der Arbeit müd. Und kam jemand zur Hütte, hörte sie einen Schritt, so fuhr sie erblassend zusammen und stammelte: „Der Förstner wieder? Oder der Hies?“

Als Lenzl eines Abends vom Weideplatz heimkehrte, fand er die Schwester am Herd, mit nassen Augen, ganz in sich versunken. Da fing er zu schelten an. „Is dös an Art und Weis? Statt daß dich a bißl zammklaubst, an vernunftbaren Schritt machst und dö ganze Sach wieder auf gleich bringst, derweil hockst den ganzen Tag umanand und flennst und reibst dir d’ Augen! Mit’m Wasserpritscheln is freilich nix profitiert!“

„Du hast gut reden!“ sagte Modei mit erloschener Stimme. „Du spürst es net, wie’s ich spür. Drum red mir nix drein! Dös hat mir halt unser Herrgott aufgladen als Buß. Und so muß ich’s tragen!“

„Freilich! Weil unser Herrgott nix anders z’ tun hat, als daß er d’ Menschen plagt?“

Lenzl sah ein, daß hier nur ein einziger zu helfen vermöchte. Und der muß her, dachte er, soll’s gehn, wie’s mag! Ein paar Tage später, als er abkommen konnte, ohne daß die Arbeit Schaden litt, schlich er sich im Morgengrau, während Modei noch schlief, aus der Hütte. Er erinnerte sich, von Friedl gehört zu haben, daß der Jäger in diesen vierzehn Tagen die Aufsicht auf dem Rauchenberg zu führen hätte. Es war das ein weiter Weg, den Berg hinunter bis ins Tal und drüben wieder hinauf bis zur Jagdhütte, die hoch da droben auf der Bergschneide lag. Der Schwester zulieb wäre Lenzl auch bis ans Ende der Welt gelaufen.