In Staunen schwieg das Mädel eine Weile. „Lenzl?“

„Was?“

„Reden tust – ich weiß net, wie – als tätst völlgi an andrer sein, als d’ allweil gwesen bist.“

Er nickte ernst. „Gelt, ja?“ Und faßte sie mit raschem Griff bei einer Rockfalte. „Schwester! Komm! Hock dich her a bißl zu mir!“ Als Modei neben ihm auf der Stufe saß, begann er leis und langsam zu reden, wie ein Träumender. „Die ganzen Täg her such ich allweil ebbes in meim Hirnkastl und kann’s net finden. Und alls is mir anders, als wie’s gwesen is. D’ Leut, und die ganze Welt, und d’ Luft in der Höh – alls schaut sich anders an. Sein tut’s mir, als wär ich noch halb a Kind, und als hätt ich gschlafen, ich weiß net, wie lang. Und ebbes hat mich aufgweckt. Und da merk ich, daß ich an alter Mensch bin, möcht traurig sein und muß doch lachen drüber, als ob ich a Kindl wär.“ Er kicherte vor sich hin.

In Schreck und Freude stammelte Modei: „Jesus – Lenzl –“

„Dös hat angfangt am selbigen Abend, weißt, wo ich deintwegen so schauderhaft derschrecken hab müssen. Und wie mich der Blasi bei der Gurgel ghabt hat, daß ich gmeint hab, ich muß dersticken – da hat mir allweil a schiechs Fuier vor die Augen bronnen. Und allweil hab ich a Stimm ghört – a Stimm, wie d’ Mutter ghabt hat, weißt – und dö Stimm hat allweil gschrien: ‚D’ Schwester mußt aussitragen, d’ Schwester mußt aussitragen!‘“ Sich zurückbeugend, sah er sie an und lachte herzlich. „Wie dich ausgwachsen hast! Heut kunnt ich dich nimmer tragen.“ Er wurde wieder ernst, und seine Augen suchten. „Jetzt mußt mir ebbes sagen, Schwester! Allweil is mir so a Wörtl im Verstand, und ich weiß net, wo ich hin muß damit –“

„Was für a Wörtl?“

„Hast mir net du amal die letzten Täg her ebbes verzählt – von eim Tanzboden?“

Mit erweiterten Augen sagte sie zögernd: „Freilich, ja – da hab ich gredt davon.“

„Tanzboden? Tanzboden? Gar nimmer einfallen tut’s mir. – Wie war denn dös?“