„Dein Verstand is wieder licht. Dös merk ich, Bruder – dös muß ich doch merken –“
„Verstand? Und merken? Was?“ In drolligem Mißtrauen sah er die Schwester an und begann zu lachen. „O du Schlaucherl! Spannst a bißl ebbes? Gelt, von die ganz Dummen bin ich keiner. Und heut – Schwester – allweil glaub ich, heut bin ich einer von die ganz Gscheiden gwesen. Und wie’s mir eingfallen is in der Fruh, da hab ich a Freud ghabt – ich kann dir’s gar net sagen!“ Wieder das muntere Lachen. „Ah, der hat gschaut – wie ich so gsprungen bin auf der Straßen. Und allweil: Jesus, Maria, Jesus, Maria! Und derschrocken is er – aaah, dös is ihm gsund! Da schmeckt ihm nacher d’ Freud um so besser.“
In Modei, als sie den Bruder so unverständlich reden hörte, erwachte die Sorge wieder. „Lenzl? Was denn? Was denn?“
„Öha, langsam!“ scherzte er. „Net gar so pressieren! A bißl Geduld mußt allweil haben.“ Schmunzelnd guckte Lenzl zum Steig hinüber. „Aber lang wird’s nimmer dauern. Da kunnt ich wetten drauf.“ Er sah die Schwester an und zwinkerte lustig mit den Augen. „A Mordstrumm Weg hab ich machen müssen. Und hungern tut mich. Seit der Fruh hab ich nimmer aufs Essen denkt. Hast net a Bröckl für mich?“
Halb noch ratlos, zwischen Sorge und Freude, sprang Modei über die Stufen hinauf. „Aber freilich, ja! Gleich koch ich dir ebbes auf. Und ’s Allerbeste, was ich hab.“ Sie raffte ein paar Scheite Brennholz zwischen die Hände und verschwand im Dunkel der Hüttentür.
Der Alte lachte. „Und an Trunk muß ich haben. An festen. Wie Fuier is mir der Durst im Hals.“ Er ging zum Brunnen. „Da drunt im Faller Tal, da hat’s a Hitz ghabt zum Verschmachten.“ Er trank am Brunnenstrahl. Dann guckte er sinnend in den Wasserspiegel des Troges. „So ebbes Gspaßigs! Da schaut an alts und a lustigs Gsicht aus’m Wasser aussi. Mit weißgraue Haar und mit schieche Falten. Und wie ich ’s letztmal einigschaut hab, da hab ich zwei junge, traurige Augen ghabt. – Ah na! So kann’s net sein! – Bin ich amal jung gwesen? – Es kommt mir so für, als wär ich schon alt auf d’ Welt kommen? Und hätt a Ruh ghabt vor allem, was für junge Leut a Plag is.“ Versunken in Gedanken, immer murmelnd, ging er zur Hütte, blieb stehen, sah zu den Stauden des Waldsaums hinüber und wurde unruhig.
Da drüben wand sich der Jäger Hies aus den Büschen heraus, mit Bergstock und Büchse, den Kopf gebeugt, immer zur Erde spähend. Von seiner munteren Art war nichts an ihm zu gewahren. Eine eiserne Härte war in seinem Gesicht, in jeder Bewegung, die er machte. Und immer näher kam er den Hüttenstufen.
Lenzl richtete sich auf und tat ein paar flinke Sprünge gegen den Jäger. „Hies!“
Der Jagdgehilf zuckte mit dem schwarzbärtigen Kopf in die Höhe. „Ah so, du bist da? Grüß dich Gott!“
In Erregung fragte Lenzl: „Was suchst denn da?“