Erst jetzt fiel es dem Jäger auf, daß Modei mit dem Bruder redete, der in Lenggries beim Doktor war, um das „heilsame Trankl“ zu holen. In Verwunderung weiteten sich Friedls Augen. „Dös kommt mir a bißl gspassig für –“ Bevor er dieses Klarstellende zu Ende denken konnte, befiel ihn ein anderer Gedanke mit fürchterlichem Schreck: „O heilige Mutter, dös Madl weiß nimmer, was mit ’m Bruder is! Dös Madl fiebert!“ Er machte ein paar Sprünge, bei denen er wieder die Zähne übereinanderbeißen mußte, kam bis zu den Hüttenstufen – und im gleichen Augenblick trat Modei, ein bißchen blaß, sonst aber kerngesund, aus dem schwarzen Türschatten in die goldwarme Sonne heraus.

Was den beiden beim gegenseitigen Anblick über die Gesichter blitzte? War es Freude, Verblüffung, Schreck? Oder alles zugleich?

„Friedl!“

„Modei!“

Zwei Namen, zwei Stimmen, und doch nur ein einziger Laut aus gleichem Gefühl. Dann standen sie stumm, und jedes hing mit dürstendem Blick an den Augen des andern, bis die Verlegenheit sich störend dazwischenschob. Im Verlaufe dieses Schweigens schienen sich die Empfindungen der beiden ein bißchen nach verschiedener Richtung zu entwickeln. Während Modei ratlos das Geheimnis des deformierten Filzkübels betrachtete, regten sich Verblüffung und Mißtrauen im Jäger. Jener böse Sonntag, dem Bennos kluge Ratschläge den Giftzahn schon ausgebrochen hatten, wurde neuerdings bedrohlich, Friedl vergaß aller guten Vorsätze, und was nach diesem Purzelbaum in seinen taumelnden Sinnen noch übrigblieb, war eigentlich eine ganz vernünftige Sache, aber gerade deshalb für Glück und Liebe verhängnisvoll: die Feststellung des Tatsächlichen, die übelschmeckende Witterung einer Unwahrheit. Ein bißchen rauhtönig brach der verdutzte Jäger das Schweigen: „Mit deiner gfahrlichen Krankheit kann’s doch net gar so gfahrlich ausschauen? Weil schon wieder so munter auf die Füß bist?“

„Krankheit?“ fragte sie scheu. „Wieso? Was meinst denn da? Wie kommst denn drauf, daß ich krank sein soll?“

Er wurde heftig. „Is dös am End gar net wahr?“

Sein Ton und die Bitterkeit dieser Worte machten sie hilflos. „Mit ’m besten Willen, da weiß ich nix davon.“

„So so? Und da schreit man auf der sonnscheinigen Straßen: Jesus Maria, Jesus Maria!“ Ein kurzes Lachen. „Mir scheint, da bin ich wieder amal ’s gutmütige Rindviech gwesen – und kann wieder umkehren.“ Friedl wandte sich rasch. „Pfüe Gott!“

Erschrocken die Hände streckend, jagte Modei über die Stufen herunter. „Mar’ und Joseph!“