Muß denn der Mensch an Schuh tragen? Dös ghört noch lang net zur ewigen Glückseligkeit. Im Himmelreich laufen d’ Leut mit die nacketen Füß umanand. Oder hast vielleicht in der Kirch schon amal an Engel gsehen mit gnagelte Schuh oder mit Röhrenstiefel?“ Weil ihm das Stehen sauer wurde, hockte er sich wieder auf den Brunnentrog, blickte kummervoll in den Sonnenglanz und sagte, um Modeis Sorge zu beschwichtigen: „Mein, a bißl aufgangen hab ich mich halt.“

Was war an diesem Wort, daß es in Modei eine so tiefe, deutlich merkbare Erschütterung hervorrief. Und dann huschte ein stilles, schönes Lächeln über ihr vergrämtes Gesicht. „Friedl!“ sagte sie leis. „Dös war wieder eins von deine Wörtln.“

Meine Wörtln?“ maulte er und betrachtete sie verdutzt. „Ich weiß net, was d’ meinst. So ebbes kann jeder sagen.“

„Na, Friedl!“ Immer froher wurde ihr Lächeln. „So ebbes sagst bloß du, sonst keiner.“

„Geh, laß mich aus!“ In Unbehagen rührte Friedl die Schultern. „Und wann ich amal sag, ich hab mich aufgangen, so hab ich mich aufgangen. Da schlupft einer gern in an Filzschlorpen eini, der net druckt. Und von Fall bis da auffi, dö lausigen drei Stündln, da braucht man noch lang kein’ gnagelten Schuh.“

„Von Fall? Bis da auffi?“ Jetzt erlosch ihr Lächeln. „Kommst denn du net vom Rauchenberg ummi?“

„Ich? Na. Ich komm von daheim.“

„Jetzt kenn ich mich aber gar nimmer aus.“

„Da geht’s dir grad so wie mir.“

Schwer atmend legte Modei den Arm an die Stirn, als befände sich die Ursache dieser sonderbaren Dunkelheiten unter ihren Zöpfen. „Ganz verschoben is mir alles – und wann’s wahr sein tät, daß dich bloß aufgangen hast, so müßt mich der ander anglogen haben.“