„Anglogen?“ Friedl wurde unruhig. „Was? Wer?“

„A Grenzer hat mir gsagt: wie mein Kindl tragen hast, da is dir –“ sie konnte nicht weitersprechen, „da is dir a Stein über’n Fuß gangen – hat er gsagt.“

Wütend fuhr Friedl auf: „So a schafhaxeter Ochsenschüppel! Was muß denn der söllene Sachen reden und muß dich aufregen für nix und wieder nix.“ Er wurde ruhiger. „Ich hab mich aufgangen. Punktum. So sag ich und so bleibt’s.“

„Friedl!“ Nun fand sie ihr glückliches Lächeln wieder. Dabei wurden ihr die Augen feucht. „Lügen? Dös heißt doch net: gut sein.“

Dem Jäger fuhr das Blut in den Kopf. „No ja, wann schon meinst, es muß a Stein gwesen sein, in Gotts Namen, so war’s halt einer. Steiner gibt’s gnug in die Berg. Da is schon oft einer gfallen. Deswegen brauch ich noch lang net lügen. Deim Kindl is nix passiert. Dös is rund und gsund. Und dös is d’ Hauptsach. Und geht sich an andrer überm Stein auf, so hab halt ich mich unterm Stein aufgangen. Da wird der Unterschied net so schauderhaft sein. Marschieren kann ich auch schon wieder. Dös wirst gleich merken.“ Er wollte aufstehen.

„Du!“ In Sorge faßte Modei seinen Arm und hielt ihn fest. „Jetzt tust mir sitzenbleiben! Auf der Stell!“

So verblüfft, daß sein Gesicht sich völlig veränderte, guckte Friedl an ihr hinauf. „Ah, die schau an!“ Er befreite seinen Arm. „Aufbegehren tät s’ auch noch! Und sagt: ich tu lügen! Sagst vielleicht du allweil d’ Wahrheit? Vom letzten Sonntag –“ Dieses rote Kalenderwort zerdrückte ihm die Stimme. „Da will ich net reden davon. Kunnt allweil sein, daß er recht hat – der Herr Dokter – mit seim guten Menschenglauben.“ Friedl schien sich dem einsichtsvollen Augenblick mit Gewalt entreißen zu wollen. „Aber heut wieder? Dös mit deim Kranksein? Is dös ebba net glogen gwesen?“

„O du heiliger –“ klagte Modei. „So red doch endlich amal a Wörtl, dös man verstehn kann! Wer soll denn krank gwesen sein?“

„Du!“

„Ich? Wer hat denn dös gsagt?“