Modei war zum Herd getreten. Verloren sagte sie vor sich hin: „Und nimmst dir ebbes, so wird’s a Gwicht und du mußt tragen dran, bis d’ müd bist an Leib und Seel.“ Sie begann mit einer Sandbürste die hölzernen Milchgeschirre zu säubern, umfunkelt von der roten Abendsonne, die einen Strahl hereinwarf durch das kleine Fenster.
Die Stirn in Falten ziehend, guckte Punkl um sich her, als hätte sie ein geheimnisvolles Rätsel dieser Stube zu lösen. „Ich weiß net, wie dös kummt: bei dir in der Stuben schaut’s allweil nett und freundlich aus. Und bei mir droben in der Hütten is allweil a Saustall, daß eim grausen kunnt. Oft muß ich selber sagen: Pfui Teufel!“
Das schien die junge Sennerin nicht gehört zu haben. Zerstreut und müde redete sie bei rastloser Arbeit: „Heut is er hart gwesen, der Tag. Die Blässin, unser beste Kuh, is a bißl marod. Ich hab schon Botschaft abisagen lassen, daß der Doktermartl auffikommt. Und unser Geißbock, der Muckerl, muß sich verstiegen haben. Der Lenzl sucht ihn schon den dritten Tag. Allweil hat man a Sorg auf der Seel, bald mit eim Menschen und bald mit’m Viech. ’s Leben is hart.“
Wieder gähnte die Alte und trommelte mit der Hand auf ihren kreisrund geöffneten Schnabel. „Jetzt hab ich gmeint, bei dir gibt’s an Unterhaltung. Derzeit wurstelst du am Herd umanand und redst kein Wörtl!“
„Was?“ Modei mußte lachen, trat auf Punkl zu und rief ihr ins Ohr: „Ich hab ja die ganze Zeit allweil gredt!“
Verwundert sah die Alte drein. „Ah geh! Kein Wörtl net hab ich ghört. Es is mir bloß allweil so gwesen, wie wann a Brünndl rauscht.“
„Heut hast wieder an schlechten Tag mit die Ohrwascheln.“
Draußen ein schwerer Schritt. Friedl trat in die Stube. „Grüß Gott beinand! Is verlaubt, daß man zukehrt?“
„Nur eini, nur eini!“ kicherte Punkl. „Wo Weiberleut schnaufen, is a Jager a lieber Gast. Und gar a söllener, wie du einer bist.“ Sie hatte Friedl am Arm gefaßt und ihn mitten in die Stube gezogen; nun hob sie sich auf die Fußspitzen, um den kleinen Strauß frischgepflückter Almrosen betrachten zu können, den Friedl auf dem Hut stecken hatte. „Du! Den Buschen, den auf deim Hütl hast, den mußt der Sennerin schenken! Dös is Brauch auf der Alm.“
„Gern auch noch!“ Friedl nahm den Strauß vom Hut. „Da hast ihn, Modei!“