Die Alte schnitt ein langes Gesicht und brummte mißmutig: „No also! Alt sein heißt allweil: hint dran sein.“
Modei, ohne die Blumen zu nehmen, wandte sich zum Herd. „Ich dank dir schön für den guten Willen. Aber da heroben in der Einöd kunnt ich mit deim Sträußl kein’ Staat machen.“
„Wie? Was? Nimmst es ebba gar net?“ zeterte Punkl. „O du Schlauche du! Gelt, ja? An eim Buschen, den a Jager tragt, is allweil a bißl a Wildblut dran. Und ’s Blut hat a sintipadetische Kraft. ’s Blut, sagen s’, hat Einwirkung auf d’ Herzmuschkelatur. Gelt, tust Angst haben vor der Einwirkung?“
„Ah na!“ sagte Modei ruhig. „Vor so was fürcht ich mich net. Da is ebbes gut dafür. Gib her!“ Sie nahm die roten Blumen aus Friedls Hand und steckte sie an die Brust.
Mit schwermütigem Blick hing Friedl an der Gestalt des Mädels. Dann ging er schweigend zur Tür, wo er das Gewehr an einen Holznagel hängte und den Bergstock in die Ecke stellte. „Was is denn“, sprach er die Alte an, als er zum Herd zurückkehrte, „warum bist denn auf amal so stad? Was hat dir denn d’ Red verschlagen?“
„Was hast gsagt? Wen hab ich gschlagen?“
Friedl, ein Lachen erzwingend, ließ sich auf eine Bank nieder. „Hörst heut schon wieder nix? Mit dir is a Kreuz.“
„Kein Wunder, wann eim’s Kreuz weh tut. A Sennerin hat a schlechte Liegerstatt. Dös schlagt sich aufs Kreuz. Jaaa! Aber allweil kann man von Glück sagen, solang man noch eins hat, a Kreuz. Sunst müßt der Mensch sei’ Schattenseiten in der Schling tragen.“
Wieder lachte Friedl und streckte die Beine. „Heut tut mir ’s Rasten gut!“
„Hast schon an weiten Weg gmacht?“ fragte Modei.