„Armer Kerl! Schau, da drüben steht er!“ flüsterte Benno und deutete nach einer Felsplatte, die frei hinausragte über den waldigen Hang. Regungslos stand der Alte da drüben. Im ziehenden Bergwind flatterten seine langen weißen Haare und die Fetzen des zerrissenen Ärmels.
Friedl blickte sinnend hinunter ins dunkel gewordene Tal und sagte langsam: „A bißl hart zum verstehn is so a Herrgottsstraf. A Menschenunsinn, dümmer als boshaft! Und deswegen gleich auf’m Tanzboden sechs junge Leut derschlagen und vier Unschuldige mit einireißen? Wann einer weiß, wie gut unser Herrgott is, möcht man gar net glauben, wie grob als er sein kann.“
„Der Herrgott?“ Benno lächelte. „Ob man das nicht dem Maurer und Zimmermeister auf die Rechnung schreiben muß? Hoffentlich ist das Dach, unter dem ich jetzt schlafen will, besser gebaut als der gottssträfliche Tanzboden von Lenggries.“
Als Friedl vom Heustadl zurückkehrte
Als Friedl vom Heustadl zurückkehrte, in dem er Benno untergebracht hatte, und wieder zu Modei in die Hütte trat, war’s in der niederen Stube schon dunkel geworden. Das Mädel hatte die Bank ans Fenster gezogen, durch das die letzte Helle des Abends hereinfiel, und war damit beschäftigt, in einem Holzgeschirr die kleinen Flanelltücher zu waschen, die zum Läutern der frischgemolkenen Milch dienen.
„Bist noch allweil bei der Arbeit?“ fragte Friedl. „Siehst ja nix mehr.“
„Grad tut’s es noch.“
„Wann amal gstorben bist, ich glaub, da muß man deine fleißigen Händ extra totschlagen, damit s’ endlich amal zur Ruh kommen.“
„Es is net so arg.“
„Dein Almbauer hat’s neulich selber gsagt: wie er seim Herrgott net gnug danken kunnt, daß er dich zur Sennerin hat. Schaffen und arbeiten tätst für zwei.“