Jähe Röte flog über die Wangen des Mädels. „Kein’ Bsondern. Ich hab mir’s halt grad so denkt.“

„So? Aber ich sag dir: net wahr is, daß ’s an söllenen Burschen gibt. So einer möcht weidgrecht jagern und net niederschießen, was Haar am Leib hat. Freilich, ich weiß, wie d’ Leut oft reden. Daheim hab ich a Büchl, so a dumms. Da stehen söllene Gschichten drinn von die heiligen Wilderer. Und allweil is a schlechter Jager dabei, so einer, wie s’ der Teufel braucht ins unterste Schubladl. Der miserablige Kerl von eim Jager schießt von hinterrucks den heiligen Wildschützen abi über d’ Wand. Hunderttausend Fuß fallt er über d’ Felsen in die grausige Tief und bleibt am Leben, bis ihn sein treus Daxhundl findt und auffitragt im Maul, gradhin vor d’ Sennhütten von seim gottsfürchtigen Madl. Dö pflegt ihn nacher. Und wann er gsund is, macht ihn der König zum Förstner und gibt ihm a Gnadenzulag. Den Jager holt der Teufel. Ja, ja! So steht’s drin. Derlebt hab ich’s noch nie. D’ Wahrheit is anders. Einer, der’s im Blut hat, findt allweil sein’ richtigen Posten als Jager. Aber da heißt’s, eiserne Knochen haben. Wer kein Richtiger is, der plagt sich net gern. Und jede Wochen amal a Gamsgeiß stehlen, dös is allweil noch leichter, als sechs Tag lang in der Werkstatt schwitzen. Und gar so a nixnutziger Bauernbursch! Der wildert am Werktag, daß er am Sonntag mehr Geld hat zum Verspielen und Versaufen. Und gwildert, meint er, is allweil nobliger als gradweg gstohlen. So a Tropf, so an eiskalter!“

Modei war auf einen Stuhl gestiegen, um die Milchtücher zum Trocknen über die Herdstangen zu hängen. Eben wollte sie die Arme heben, ließ sie aber wieder sinken und wandte das Gesicht: „Du? Wen meinst denn du jetzt?“

„Ein’, den ich öfters spüren muß, als mir lieb is. Den wann ich amal derwisch, dem gnad unser Herrgott! So an Haderlumpen gibt’s kein’ zweiten nimmer. Ich und der ander Jagdgehilf, wir heißen ihn allweil den Neunnägel.“

Die Milchtücher hingen über den Stangen, und Modei trat vom Stuhl herunter. „A gspassiger Nam!“

„Der kommt von seiner Fährten. Jeder von seine Schuh is in der Mitten mit neun Nägel bschlagen. Wo dö Fährten hinführt, möcht’s eim grausen! Alles bringt er um, jahrige Gamskitzeln, Rehgeißen, Hirschkälber. Und an neumodischen Hinterlader hat er, daß er sich beim Stehlen leichter tut. Fünf abgschossene Patronen hab ich schon gfunden.“

„Gelt, mit so eim Hinterlader schießt man gschwinder?“ fragte Modei, während sie mit der abgebundenen Schürze die Wasserflecken von der Bank wischte.

„No freilich“, lachte Friedl, „weil man halt gschwinder laden kann! Jetzt hab ich mir auch so an Leffoschee kaufen müssen, daß ich als Jager net schlechter dran bin als wie der Lump.“ Er nahm sein Gewehr vom Haken, hielt es dem Mädel hin und zog den Verschlußhebel auf, so daß der Lauf sich öffnete. „Schau, da mußt grad so a Druckerl machen. Nacher kannst die verschossene Patron aussiziehen und die ander dafür einischieben.“

Modei war näher getreten und beugte aufmerksam das Gesicht. Als Friedl den Lauf wieder einschnappen ließ, erschrak sie ein bißchen. „Geh, fuchtl net so umanand mit’m Gwehr! Wann ebbes passiert!“

„Ah na! Was ich in der Hand hab, macht kein’ Schaden. Da geht schon ehnder dein Millikübel los, als mir mei’ Büchs!“ Friedl ging zur Tür, um das Gewehr wieder an den Holznagel zu hängen. Da sprang der Lenzl in die Stube und tuschelte aufgeregt der Schwester was ins Ohr.