„Is wahr?“ fuhr Modei auf. „Hast ihn du –“ Sie verstummte, die Augen auf Friedl gerichtet, der neben der Tür stand. Lenzl flüsterte immer weiter. „Sei stad!“ raunte ihm die Schwester zu und umklammerte mit zitternden Händen seinen Arm. Wär’ es nicht so dunkel gewesen in der Hüttenstube, so hätte sie sehen müssen, wie bleich der Jäger geworden war. Ein bitteres Lächeln zuckte um seinen Mund, als er das Gewehr über die Schulter warf. Dann griff er nach dem Bergstock. Seine Stimme klang rauh: „Pfüe Gott, Sennerin!“
„Was is denn?“ stammelte Modei. „Warum willst denn auf amal so gschwind davon?“
„Finster wird’s!“ klang Friedls Antwort von der Tür. „Ich hab noch an weiten Weg bis ins Pirschhäusl.“
Mühsam rang das Mädel nach einem Wort. „Gelt, gib fein acht – kunntst leicht fehltreten bei der Finstern.“
Mit erzwungenem Lachen sagte der Jäger: „Da brauchst dich net sorgen! Ich schau fest hin auf’n Weg, kein’ Blick nach rechts oder links – verstehst?“ Das war wunderlich betont. „Und somit gut Nacht!“
Modei brachte keinen Gruß heraus. Und plötzlich huschte Lenzl dem Jäger nach, drängte sich an seine Schulter und flüsterte: „Du! Ich kunnt dir an Wildschützen verraten!“
Forschend spähte Friedl in das Gesicht des Alten, der mit lauerndem Blick an seinen Augen hing. „Ich dank dir schön! Dös braucht’s net.“ Er drückte Lenzls Hand und schritt hinaus in die Nacht.
Noch waren Friedls Schritte nicht verklungen, als Modei in Zorn und Sorge auf ihren Bruder zusprang. „Lenzl? Was hast du dem Friedl gsagt?“
Unwillig riß der Alte seinen Arm aus Modeis Händen. Seine Stimme klang gereizt: „Was ich ihm gsagt hab? Daß er mir besser gfallt als der ander!“ Er spähte hinaus in die Nacht. Es war schon zu dunkel, als daß er Friedls Gestalt noch hätte unterscheiden können. Die Tritte des Jägers klangen noch vom Steig herüber, wenn auch kaum vernehmbar. Als sie ganz verhallten, tat Lenzl einen kurzen Pfiff, trat zurück in die Stube und ging zum Herd, an Modei vorüber, die auf der Bank saß, mit den zitternden Händen im Schoß.
Auf dem Herd blies Lenzl die Asche von den Kohlen, legte kurze Späne über die glimmenden Reste und fächelte mit einem Rabenflügel Luft in die Glut. Knisternd züngelte ein Flämmchen auf, an dem der Alte eine Kienfackel entzündete. Als sie brannte, steckte er sie in den eisernen Ring, der neben dem Herd in der Holzwand befestigt war.