Eine Weile war Stille

Eine Weile war Stille. Draußen ein leises Klirren. Modei sprang auf. In die Stube trat ein hochgewachsener, bildschöner Bursch und drehte auf der Schwelle lachend das Gesicht über die Schulter, um dem Jäger nachzuspähen. Nun sah er das Mädel an, mißtrauisch und dennoch heiter. „Lang hab ich stehn müssen da draußen, in der Finstern und in der Kält.“

„Heut? Und kalt?“ sagte Modei tonlos.

„Schauern tut’s mich wie an Hund, und müd bin ich wie a Mühlesel!“ Er warf den Rucksack in den Winkel, Bergstock und Hut dazu, stieß mit dem Fuß die Tür ins Schloß, und während er zum Fenster ging und den Laden zuzog, lachte er: „Du hast freilich net Zeitlang ghabt. Was hast denn so Wichtigs verhandeln müssen mit dem jagerischen Windbeutel?“

Ein Zug von Zorn und Stolz legte sich über Modeis Stirn. Dennoch klang ihre Stimme ruhig. „Blasi? Meinst net, du hättst mir nach so langer Zeit an anders Grüßgott sagen müssen? Ich hätt mir denkt –“

„Ah, da schau!“ wurde sie von Blasi unterbrochen. „Wie ’s Maderl aufputzt is! Wo hast denn du den Buschen her? Leicht vom Jager? So was verbitt ich mir!“ Er riß ihr die Blumen vom Mieder und schleuderte sie ins Herdfeuer. „So! Jetzt möcht ich ebbes z’essen haben. Und bald!“

„D’ Hauptsach kommt bei dir allweil z’letzt!“ höhnte Lenzl, der mit aufgezogenen Beinen auf dem Herd hockte.

In Modeis Augen hatte etwas aufgeleuchtet wie hoffende Freude. „Blasi? Tust eifern?“ Wo Eifersucht brennt, ist immer noch Liebe.

Er hatte sich auf die Bank gesetzt und machte verdutzte Augen. „Ich? Und eifern? Geh, so ebbes Dumms!“ Das Wort war lachend gesagt und wirkte doch wie ein Messerstoß. Das schien er zu merken, wollte ein Pflaster legen und gab seiner Stimme einen Klang von Zärtlichkeit. „Du bist du. Ich weiß doch, was ich hab an dir. Und wann ebbes mein ghört, bin ich noch allweil sicher gwesen, daß mir kein andrer net drantappt.“

Modei blieb stumm. Ihr Bruder, der mit einem Scheit in den Kohlen stocherte, sah zu ihr hinüber und sagte gallig: „Schwester! A bißl gar viel tust dir gfallen lassen!“