Immer ins Feuer starrend, redete sie eintönig vor sich hin: „Wann ich mir denk: wie gwesen bist! Amal! Vor ich mich rumplauschen hab lassen. Und wann ich mir fürsag: wie d’ jetzt bist!“ Ein wehes Lachen.
„Allweil kann man net schmeicheln!“ tröstete er mit vollem Mund. „Sei zfrieden, bist mein lieber Schatz! Und der Tuifi soll mich holen, wenn ich’s net ehrlich mein’ –“
„Anlügen tut er dich!“ fuhr es schrillend aus dem Herdwinkel heraus. „Anlügen, daß blau wirst! Falsch is er bis in d’ Seel eini!“ Das Gesicht des Weißhaarigen erstarrte, und seine Augen wurden glasig. „Gradso wie der, so hat der Grubertoni allweil dreingschaut!“ Jäh sich aufstreckend, hob er die zuckenden Hände mit den krallig gespreizten Fingern gegen die berußte Decke hinauf. „Höia! Tanzboden? Wo bleibst denn? Rührst dich noch allweil net?“
„Du! Stad bist!“ Blasi stieß den Teller fort. „Oder ich spring amal um mit dir, daß drandenkst deiner Lebtag!“
„Zu! Nur zu!“ Immer höher gellte die Stimme des Alten, den die Herdflamme mit roten Feuerlinien umzeichnete. „Für dich gibt’s auch noch an Tanzboden, der dich derschlagt! Wie’s den andern derschlagen hat. Allweil macht unser Herrgott sauber. Der Erdboden schamt sich deintwegen eh schon fünfazwanzg Jahr lang.“
„Sakerment und –“ Den Fluch zwischen den Zähnen zerknirschend, sprang Blasi auf den Kreischenden zu. Der Alte machte einen Sprung gegen die Mitte der Stube. Da drückten ihn die Fäuste des Burschen zu Boden. „Blasi!“ schrie Modei. „Den Bruder laß aus!“ Ein wilder Wehschrei, und unter Fäusten weg sprang Lenzl zur Türe, riß sie auf und huschte kichernd hinaus in die Nacht.
Blasi stierte seine Hand an, von der Blut auf den Boden tröpfelte. „Da schau her! Bissen hat er mich.“
„Wart, ich hol dir a Tüchl!“
„Ah was! Dös braucht’s net. Bleib da! Weil der ander draußen is, muß ich ebbes reden mit dir.“ Er leckte mit der Zunge über die Wunde und wischte seine Hand an der Hose sauber. „So a Verruckter is wie a Kind. Dös beißt eini, wo’s ebbes derwischt.“
„So? Meinst?“ Modei ließ sich auf die Herdmauer hinfallen. „Hat dich unser Kindl schon amal bissen?“