„Nur nie verzagen!“ Martl hobelte mit dem blauen Taschentuch über die Nase hin und her. „Und allweil auf Gott vertrauen!“

„Freilich, ja! Und selber gut aufpassen.“

„Da kommt er am weitesten, der Mensch. Unser Herr Pfarr is voller Gottvertrauen. Aber wann er Hunger hat, verlaßt er sich lieber auf sei’ Köchin.“

Müd lachend trat Modei in die Sennstube.

Hinter der Hütte droben, wo der Almbrunnen war, hatten Punkl und Monika ihre Wasserbutten niedergestellt. Da überholte sie ein knochiger Graukopf, dessen gedunsenes, von blauen Äderchen durchzogenes Gesicht die Diagnose auf chronischen Suff ermöglichte, ohne daß man medizinische Kenntnisse zu haben brauchte. Es war der alte Veri, der emeritierte Lenggrieser Nachtwächter, der in Monikas Hütte als Hüter eingestanden war. Auf dem Rücken trug er eine Kraxe, die mit dem Almgewinn der Woche beladen war. Der Alte mußte an den zwei Weibsleuten beim Brunnen vorüber. Dabei ging es anscheinend ganz friedlich zu. Dennoch hörte man die Punkl kreischen: „Jesses, jesses, hörst net auf! Ich schrei, wann net aufhörst!“

„Laß mir lieber du mei’ Ruh!“ schimpfte Veri mit rauhem Bierbaß und wackelte über den Steig zur Hütte herunter.

„He, Mannderl, was is denn?“ rief ihm der Doktermartl entgegen. „Du wirst doch net auf die alte Punkl an Husarenangriff gmacht haben?“

„Ah!“ Ein Schwur empörter Verneinung lag in diesem kurzen Laut.

„Der is froh“, meinte Lenzl, „wann die Punkl ihm nix tut. Gelt, Veri?“

„Laß mir mei’ Ruh!“ knurrte der Alte und klapperte gegen den tieferen Steig hinüber.