Um der hundert Jahre willen wagte die Alte ein bißchen aufzuatmen. „Was hab ich denn nacher für a Leiden?“

Mit Löwenstimme verkündete der Isartaler Äskulap: „D’ Altjungfernkrankheit hast! Da hat sich ’s verhaltene Geblüt auf d’ Nerviatur gschlagen. Und dös wumselt und rumpelt a so in dir. Naturgsetz! Da kannst nix machen. D’ Unschuld is ebbes Schöns. Aber wann s’ gar z’ lang dauert, hat s’ ihre Mucken. Da säuerlt s’ in eim Menschen wie ’s Bier im überständigen Faßl!“

„Gelt, ja? Gelt, ja?“ pflichtete Punkl in heißem Eifer bei. „Oft schon hab ich mir denkt: ich hätte net so fest bleiben sollen vor a zwanzg a dreißg Jahr. Jetzt hab ich den Schaden. Jöises, jöises! Aber da wird man ja doch um Gotts willen noch helfen können?“

„Bei dir?“ Nach kurzer Betrachtung der Patientin erklärte Martl entschieden und im reinsten Hochdeutsch: „Nein!“ Dann rief er zum Stall hinüber: „So, ös zwei, kommts wieder her da!“

Nachdenklich kraute Punkl sich hinter den Ohren und murmelte vor sich hin: „Da muß ich mich a bißl umschaun – daß ich mei’ Gsundheit wieder find.“

„Grüß Gott beinander!“ klang die Stimme Friedls, der über den Hang des Steiges herauftauchte. Ihm voraus lief Bürschl, der winselnd in der Hüttenstube verschwand.

Von allen wurde Friedl begrüßt. „Schau, schau“, sagte Monika, als sie ihm die Hand reichte, „bist schon wieder da? Seit vierzehn Täg is ja der Modei ihr Hütten ’s reine Pirschhäusl! Da geht der Jager aus und ein wie der Pfarr in der Sakristei.“

„Sei net neidisch!“ fiel der Doktermartl ein. „Du wirst auch dein’ trosthaften Kapuziner haben!“

Lachend versetzte ihm das Mädel einen Puff und ging zum Brunnen.

Der Jäger stieg zur Hüttentür hinauf. Als er an Lenzl vorbeikam, fragte er leis: „Wie geht’s ihr denn?“