Leis lachte der Alte. „Wie gscheider einer wird, um so leichter glauben die andern, daß er a Narr is.“ Er spähte zur Hüttentür hinüber. „Lus auf, ich weiß dir was Neus.“ Unter hetzendem Geflüster erzählte er von der Botschaft, die Blasi durch den Doktermartl hatte ausrichten lassen.
In Erregung lauschte Friedl und hörte mit Freude, wie Modei den Botengänger abgefertigt hatte. Zögernd fragte er: „Hat d’ Schwester gweint?“
„Net an einzigs Zahrl!“ In Lenzls Augen brannte eine wilde Freude. „Es macht sich, Friedl, es macht sich! Und alle miteinander halten wir Stuhlfest, du und d’ Schwester, und ich und ’s Lisei. Und Balken spreißen wir eini untern Tanzboden. Und nachher –“ Sein verstörter Blick suchte im Leeren. „Was hab ich denn sagen wollen? Steh ich schon lang bei dir vor der Hütten da? Es kommt mir so für, als tät’s hundert Jahr her sein, derzeit wir gredt haben mitanand!“ Den Kopf schüttelnd, ging er davon und murmelte: „Gspaßig, was unserm Herrgott für Sachen einfallen!“ Müd, wie ein an allen Gliedern Zerbrochener, stieg er gegen den Berghang hinauf, über den schon die ersten Schatten des Abends fielen.
Modei trat aus der Tür
Modei trat aus der Tür. Sie hatte die Arbeitsschürze abgelegt und eine weiße umgebunden; über dem Mieder trug sie eine kurze, offene Jacke. In der einen Hand hielt sie einen blauen Leinenrock, in der anderen ein altes Zigarrenkistchen, das angefüllt war mit allerlei Nähzeug.
„Was is denn?“ fragte der Jäger. „Willst dich gar noch zur Nahterei hocken? Siehst ja fast nix mehr.“
„A halbs Stündl tut’s es schon noch. Untertags hab ich kei’ Zeit.“ Modei setzte sich auf die Steinbank, nahm den blauen Rock übers Knie, stellte das Kistchen neben sich und unterzog einen langen, klaffenden Riß einer aufmerksamen Betrachtung. „Und ich möcht mei’ Sach allweil sauber beinand haben. Geh, setz dich her da! D’ Nahterei macht sich leichter, wann man a bißl plauscht dazu. Heut mußt dich auch net so tummeln mit’m Fortgehn, heut hast an guten Heimweg, der Himmel is klar, und der Mond wird da sein, vor’s Nacht is.“
„Ich geh heut gar nimmer ummi in d’ Jagdhütten“, sagte Friedl, während er sich neben Modei auf die Bank niederließ.
„Wo gehst denn nacher hin?“
„Heim, nach Fall abi.“