„Morgen kommst aber wieder auffi?“

„Na! Von morgen an hab ich d’ Aufsicht im Rauchenberg, und an andrer Jagdghilf, wahrscheinlich der Hies, kommt auf vierzehn Täg in den Bezirk da.“

Modei hob das Gesicht. „Geh! Kommst nacher du vierzehn Täg lang gar nimmer da her?“

„Der Dienst halt! Was kannst da machen!“

Modei beugte sich seufzend über ihre Arbeit; achtsam schnitt sie mit einer plumpen Schere aus dem Rock an der Stelle des Risses ein großes Viereck heraus und säbelte ein ebenso geformtes, etwas größeres Stück aus einer alten, löcherigen Schürze, die schon öfters zu ähnlichen Reparaturen Stoff hatte hergeben müssen. Während sie das Leinenstück mit Stecknadeln über die Lücke des Rockes heftete, sprach sie vor sich hin: „Es is mir gar net recht, daß ich dich solang nimmer sehen soll. Ich hab mich ganz gwöhnt dran, daß d’ jeden Abend da bist.“

Dem Jäger fing das Herz zu hämmern an, und auf seinen Lippen lagen hundert Fragen; mit Gewalt zwang er sie zurück und hielt schweigend den Blick auf die emsigen Finger gerichtet, die in die Nadel den blauen Faden zogen, einen Knopf an das Ende flochten und dann eifrig zu sticheln begannen. So guckte er lange zu. Dann sagte er: „D’ Nahterei muß a schwere Sach sein!“

„Können muß man’s halt.“

„Freilich, ja. Wann ich a Nadel einfadeln will, brauch ich allweil a halbe Stund dazu. So a Nadel, so a feine, is a Ludersteuferl!“ Weil Modei ein bißchen lachte, rückte er mutig näher. „Wann ich jetzt vierzehn Täg nimmer komm, tut’s dir auch wirklich a bißl ahnd nach mir?“

„Gwiß, Friedl! Du bist allweil gleich gut aufglegt und unterhaltsam. So bist gegen alle Leut. Aber es kommt mir so für, als wärst du’s gegen mich noch a bißl mehr wie zu die andern. Bist a guter Mensch!“

„Gut?“ Er lächelte. „Ich weiß schon, d’ Leut sagen so: a guter Mensch – und da meinen s’: a Rindvieh.“