„Alles!“

„Von wem?“

„Augen hab ich ja selber. Und –“

„Der Lenzl? Gelt?“ In Zorn war Modei aufgesprungen. Wortlos kramte sie ihr Nähzeug zusammen. Als sie sah, daß ihr Friedl den Weg zur Tür vertrat, schob sie das Kistchen wieder auf die Bank, setzte sich und nähte schweigend weiter.

„Deswegen mußt dich net alterieren!“ sagte Friedl und stellte die Schachtel fort. „Ich mein’ dir’s gut! Und bei mir is a heimlichs Wörtl aufghoben. Da brauchst dich net fürchten.“

„Fürchten?“ Sie unterbrach die Arbeit nicht. „Ah na! ’s Fürchten hab ich verlernt. Glauben und Fürchten is allweil an Einzigs. Verliert man ’s Strumpfbandl, nacher rutscht der Strumpf halt auch. Die letzten Wochen haben fest grissen an mir. Den ganzen Tag so allein! Und alles allweil einiwürgen! Vielleicht is’s grad gut für mich, daß d’ alles weißt. Da hab ich doch wen, mit dem ich reden kann.“ Die Stimme erlosch ihr. Sie drehte das Gesicht auf die Seite, wollte einfädeln und fragte mit erwürgtem Laut: „Wo is denn d’ Schachtel schon wieder!“

Friedl machte einen flinken Griff. „Is schon da!“

Sie zog den Faden von der Spule und krümmte sich plötzlich tief hinunter, von lautlosem Schluchzen geschüttelt.

„Mar’ und Joseph!“ Erschrocken rüttelte Friedl sie an der Schulter, rückte näher, stieß die Schachtel fort und umschlang das Mädel. „Jesses, geh, so schaam dich doch a bißl! Hör auf, hör auf, ich kann’s net vertragen. Wann ich wem gut bin, kann ich’s net anschaun, daß er leiden muß!“ Er versuchte sie aufzurichten. „Komm, laß dich a bißl trucken legen!“ Schwer schnaufend, zerrte er sein Taschentuch heraus, trocknete ihre Wangen und fuhr sich auch flink über die eigenen Augen. „Geh, sei gscheid und nimm a bißl Verstand an! Schau, jetzt is halt amal alles a so, und da muß man sich einischicken wie der Fuchs in sein’ Bau.“

„Freilich, ja!“ Mit zitternden Händen begann sie die Arbeit wieder.