In Friedls Augen brannte die Sorge. Hatte er zuviel gesprochen? Hatte sie aus seinen Worten erraten, welches Dach und welchen anderen er meinte? Und warum ging sie so schnell davon? War es Verlegenheit? Oder eine verblümte Warnung vor dem Weitersprechen? „Herrgott, Herrgott, wann ich nur wüßt, wie ich dran bin!“ Und nun fortmüssen, für vierzehn Tage, und die Ungewißheit immer mit sich herumschleppen auf Schritt und Tritt, bei Rast und Arbeit, bei Tag und Traum!

Da klang mit flüsterndem Laut sein Name aus den Latschenbüschen, die neben der Hütte standen und im Abendwind ihre Nadelfahnen bewegten. Der Jäger wandte sich rasch und sah im Grün zwei funkelnde Augen. „Lenzl? Du? Was willst denn?“

„Kurasch, sag ich dir! Schenier dich net! Sag’s ihr grad aussi!“

„Kurasch?“ Ein bedrückter Atemzug. „Du hast leicht reden! Haushoch über a Wand abispringen? Da hätt ich Kurasch gnug. Aber da –“

Modei trat aus der Hütte, und Lenzl verschwand. Mit zwei blühenden Nelkenstöcken auf den Armen ging das Mädel zu der Scheiterbeuge neben der Hüttentür.

Beklommen fragte der Jäger: „Was machst denn da?“

„Meine Nagerln stell ich in d’ Nacht aussi. So a feine Nacht is gut für alles, was blüht.“

In Friedls Augen glänzte was Frohes auf. „Modei! Da hast a gescheidts Wörtl gsagt.“ Er machte ein paar flinke Schritte zu ihr hin, als wäre die erschütterte Hoffnung in ihm wieder fest und gläubig geworden. Zum Reden kam er nicht, weil vom Steig herauf zwei Stimmen sich hören ließen. Verdrossen murrte Friedl vor sich hin: „Wer kommt denn heut noch da auffi? Daß d’ Leut aber allweil kommen, wann man s’ net brauchen kann.“ Nun erkannte er die lachende Mannsstimme. „Dös is ja der Hies! Was will denn der da heroben? Heut schon!“

Im gleichen Augenblick tauchte der Jagdgehilf über die Steigstufen herauf und guckte fidel in die Tiefe hinunter. Da drunten quiekste die Stimme der noch unsichtbaren Punkl: „Geh, wart a bißl, Hieserl, wart a bißl!“

„Du narrete Urschl!“ kreischte Hies über den Steig hinunter. „Ich bin ja kein Dokter net. Ich kann dir net helfen.“ Als er sich kichernd wandte, sah er den Jäger, der auf ihn zukam. „Ah, da bist ja! Grüß dich, Friedl! Und gleich kannst heimgehn.“