„Was is jetzt da zum lachen?“ fragte er mit zerdrückter Stimme. „So a ganz Sonnscheiniger bin ich freilich net. Ich bin halt einer, wie s’ im Dutzend ausfallen. Aber an Antrag is allweil an Antrag. Da wirst wohl a Wörtl reden müssen.“
In die dämmernde Weite blickend, schüttelte sie stumm den Kopf.
Er mußte sich räuspern, als wäre ihm eine Mücke in den Hals geflogen. Dann suchte er mühsam einen scherzenden Ton. „Ah na! Ah na! Gar so übers Knie reißen wir’s net ab. A bißl anschaun kann man’s allweil. Oder net?“
Es hatte zu dämmern begonnen, und das letzte rötliche Zwielicht glänzte schon hinüber in den weißen Mondschein, der die Gratkanten der grauen Felswände in ein silbernes Zackenwerk verwandelte. Der Wind fuhr schärfer über das Almgehäng herunter, man hörte den Strahl des Brunnens plätschern, und die schwarz gewordenen Wedel der Latschen griffen wunderlich durcheinander wie plumpe Hände, die etwas zu haschen suchen, was sich nicht fangen läßt.
Scheu guckte Friedl zu Modei hinauf. Er konnte ihre Augen nimmer sehen, das Dunkel des Abends vertiefte noch den Schatten der gesenkten Wimpern. Hart Atem holend, nahm der Jäger den Hut herunter und kämmte mit schwerer Hand das Haar in die Stirn. „Wie a Prinzessin wirst es freilich net haben bei mir. Aber schlecht auch net. Mein Häusl hat Platz für uns Sechse.“
„Sechse? Wie zählst denn da?“
„No ja – du, dein Büberl, mei’ Mutter, dein Bruder, unser Kuh und ich. Und d’ Mutter hat ebbes gspart. Da legen wir uns a zweits Stückl Vieh zu. Un an noblen Ghalt hab ich auch. Dreihundert zwanzg Gulden. Und in fünf, sechs Jahr bin ich Forstwart. Geh, Madl, bsinn dich a bißl!“ Mahnend drückte er den Ellbogen an ihr Knie. „Schau, da brauchst dich nimmer plagen für fremde Leut, hast dein Heimatl, hast dein Büberl bei dir und kannst amal a richtigs Mannsbild aus ihm machen. Und wann ebbes nachkommt –“ Er lachte unbehilflich. „Dö kleine Waar wird sich schon vertragen mitanand.“
Sie beugte das Gesicht zwischen die Hände und preßte die Ohren zu. „Hör auf! Hör auf!“
Er rückte eine Stufe höher und zog ihr die Arme herunter. „Geh, komm, laß reden mit dir! A bißl gut bist mir eh schon. Und ’s ander macht sich von selber. Und wann wir uns haben, und ich komm am Abend vom Berg heim, und du stehst unter der Haustür und lachst mich an –“