Ruhig befreite sie ihre Hände. „Laß gut sein! Tu mich net plagen! Mach mir ’s Na-Sagen net gar so schwer. Und nimm Verstand an, Bub! Um deintwegen. Du verdienst a Bessere, als ich eine bin.“

„Jetzt bist aber stad!“ fuhr Friedl zornig auf. „Was ich gern hab, laß ich net beleidigen.“ Er rückte wieder eine Stufe höher, an Modeis Seite. „So sollt a verstandsams Weiberleut net daherreden! Eine, wie du bist? Was du für eine bist, dös weiß ich schon. Die Beste von alle bist mir. Dös is mir d’ Hauptsach. Und –“ Was er weiter noch sagen wollte, schien ihm schwer zu fallen. „Wann ebba an dös andre denkst – daß bei der Hochzet ’s Kranzl nimmer tragen därfst? Ui jöises! Da reden wir net davon. Dös! No ja, dazughören sollt’s freilich. Aber für an richtigen Menschen muß d’ Lieb noch ebbes anders sein. Und wann einer a Witib heiret? Is ebba dös net an ehrenvolle Sach? Und da kriegt er den Guglhupf auch net frisch vom Bäcken. Man muß net allweil so verdrahte Ansprüche machen im Leben.“

„Na, Friedl! Na, na, na! Es is kein Glück dabei.“ Sie schüttelte heftig den Kopf und rückte von ihm weg.

„Nix da! Erst recht is eins dabei. Komm her! Jetzt reden wir alles aus bis aufs letzte Schnürl!“ Er haschte ihre Hand. „Heut hab ich amal den richtigen Schritt, und jetzt laß ich nimmer aus.“

„Es hat kein’ Verstand! Laß gut sein!“ sagte sie gequält, während sie ihm ihre Hand zu entwinden suchte. „Jetzt bist halt a bißl verliebt –“

„A bißl? Oho? Mein Gernhaben is net von gestern. Du selber kannst gar net zruckdenken an dö Zeit, wo ich dich schon mögen hab. Selbigsmal in der Nacht, wie s’ dich von der Brandstatt weg in unser Stuben tragen haben – wie noch a kleins Kindl warst und ich noch a Büberl – selbigsmal is mir’s in d’ Seel einigfallen. Und nimmer hat’s auslassen –“

Wieder schüttelte sie den Kopf. „Dös bildst dir halt jetzt so ein. A guter Mensch bist. Da schaust halt alles mit schöne Augen an. Und d’ Welt is dir kugelrund, wie der Lenzl sagt. Aber hint her wirst dir mit’m Ellbogen ’s Mäusl aussistoßen am schiechen Kasten. Der Ehstand bringt Sorgen, und Sorgen verdrießen den besten Sinn. Da kommt an unguts Stündl, und es fahrt dir an ungrechts Wörtl übers Züngl aussi – a Fürwurf wegen dem, was gwesen is – und so a Wörtl kunnt ich net vertragen. Und a Graben is da. Und alles, was Glück heißt, liegt drunt in der Tief. Und keiner holt’s nimmer auffi.“ Sie erhob sich. „Na Friedl!“

„Wie, wart noch a bißl!“ Er haschte sie bei einer Rockfalte und sprach erregt an ihr hinauf: „An Fürwurf hören? Du? Von mir? Dein Büberl mag ich, als ob’s mein eigens wär. Und du? Geh, schau, ich kann mir’s doch denken, wie’s gschehen is, daß der Guglhupf a Zwibeben einbüßt hat. Ich bin doch auch kein Frischbachener nimmer. Was jung is, muß Purzelbäum machen. Oder man hätt mit zwanzg Jahr schon an krankhaften Zustand und ’s Alter im Blut. Der Mensch ist kein Heiliger. Seit der Adam ’s erstmal einibissen hat in’ süßen Apfel, hat’s ihm a jeder nachmachen müssen. Hörst, Madl! Müssen, sag ich – net: mögen. ’s Blut is a Knechtl, dös an fremden Herrn hat.“ Ein paar Sekunden schwieg er, wie in Erwartung einer Antwort. „Madl? Glaubst mir noch allweil net?“

Sie hob das Gesicht. Es war bleich im Licht des Mondes, der über die östlichen Berge heraufgeschwommen war. Wie eine goldfunkelnde Scheibe hing er im Leeren und warf den Schatten der beiden Menschen lang und dunkel über die Steine.

Ohne ein Wort zu finden, zog Modei die Rockfalte aus der Faust des Jägers und ging zur Hüttentür.