„Schau, Mutter, du machst dir z’ viel Arbet!“ Friedl trat in die Kammer und setzte sich auf den Rand des Bettes, dessen weiße Leinwand in der Dunkelheit schimmerte. „Es is schon wahr!“ Er suchte die Hände der Mutter. „Unser kleins Hauswesen kunntst mit weniger Müh grad so sauber imstand halten. Und schau, Mutter, du bist alt und mußt dir a bißl Ruh vergunnen.“

„Ah, geh weiter! Ich müßt ja sterben, wann ich net arbeten durft von der Fruh bis auf d’ Nacht.“

„Ja, ja, schon – aber jetzt kriegen wir von morgen an noch a Dritts in unser Haus.“

Die Bäuerin richtete sich auf. „Was? Ja wen denn?“

„Der Modei ihr Büberl.“

„Jesses! Friedl!“

Sanft drückte er mit beiden Händen die Mutter auf das Kissen zurück und fing zu erzählen an, die ganze lange Geschichte der verwichenen vierzehn Tage bis zu Modeis letztem Wort. Schweigend lauschte die alte Frau. Und sie schwieg auch noch, als Friedl schon lang geendet hatte. „Mutter?“ brach der Jäger endlich mit leiser Stimme das Schweigen. „Hast jetzt gar kein Wörtl für mich?“

„Bub – du weißt, wie ich über söllene Sachen denk. Ich will dir heut net weiter fürreden, was ich oft und oft schon zu dir gsagt hab. Aber ich bin allweil a verstandsames Weiberleut gwesen, dös sich mit allem hat abfinden können, was an ausgmachte Sach war. Du mußt ja ’s Madl besser kennen als ich. Unter allem, was ich von ihr ghört hab, hat mir dös am besten gfallen, daß ’s Madl heut net gleich an verliebten Purzelbaum gmacht hat. Aber wie mir scheint, wird dös Na bald a richtigs Ja werden. So kann ich nur hoffen, daß sich ’s Madl nach allem, was gschehen is, deiner wert halt in Ehren. Tag und Nacht will ich zu unserem Herrgott beten, daß er dir alles zum besten ausananderkletzelt. Was hat schließlich der Mensch auf der Welt, wann er Glück, Ruh und Fried net hat im Herzen und im Haus? Dös soll dir unser lieber Himmelvater halt geben! Nacher bin ich mit allem einverstanden. So! Und jetzt geh schlafen, Bub! Und morgen bringst mir halt unser Kindl! Gut Nacht!“

„Du liebs Mutterl du! Gut Nacht!“ Friedl drückte in seiner lachenden Freude die Hände der Mutter so ausgiebig, daß die alte Frau einen Wehlaut ausstieß und ärgerlich murrte: „Hörst net auf! Du narreter Schüppel! Meinst denn, ich hab Pratzen wie a Holzknecht?“

„Mar’ und Joseph!“ stotterte Friedl erschrocken. „Hab ich denn gar so narret druckt?“