„Jesus!“ klang es mit leisem Schrei vom Herd, und ein Teller klirrte. „Du bist da!“

„Ja! Und schau a bißl her, was ich mitbracht hab.“ Er zog die Joppe weg, die das Kind verhüllte, und Franzerl, aus dem Schlummer aufgeschreckt, guckte mit verschlafenen Augen in der Stube herum und auf die Mutter.

„Franzerl!“ schrie Modei in Freude, sprang auf Friedl zu, riß das Kind an ihre Brust, und während sie ihm das Gesicht mit Küssen überströmte, sprudelte ihr Jubel heraus: „Mein Franzerl! Franzerl! Liebs Schatzl, wie geht’s dir denn? An Ewigkeit hab ich dich nimmer gsehen! Engerl! Und wie schön bist worden! Schau nur, Friedl! Dös liebe, nette, süße kleine Gsichterl! Dö Äugerln! Dös Göscherl! Du mein liebs, liebs Kinderl du!“

Der Sturm dieser Zärtlichkeit war nicht nach Franzerls Geschmack. Das Kind schnitt ein Pfännlein. Und Friedl mahnte: „Geh, plag’s net so! ’s Kindl is müd und verschlafen. Drei Stund am Weg! Und so a Hitz dazu!“

„Ja, Herzerl!“ flüsterte Modei. „Komm, jetzt mach ich dir recht a schöns Betterl. Da kannst nacher schlafen! Und wachst wieder auf, nacher sing ich dir Liederln, gelt, mein Herzl, mein liebs.“ Ihr Blick suchte in der Stube. „Daherinn mag ich’s net schlafen legen, der Herd macht soviel heiß, und alle Augenblick springt wer eini!“ Sie trat auf den Kreister zu, zog eine Decke und das Kissen vom Heu, ging in die Kammer und richtete auf dem kühlen Backsteinboden dem Kind eine Schlummerstatt.

Friedl hatte Gewehr und Rucksack auf die Bank vor der Hütte gelegt. Nun kam er und lehnte sich an den Pfosten der Kammertür. „Weißt, ’s Kindl hat am Herweg schon a bißl gschlafen. Aber beim Steigen hat’s halt die richtig Ruh net ghabt und is allweil wieder aufgwacht. So a guts Kindl! Ich kann dir gar net sagen, was für a bravs Kindl dös is. Die ganze Mutter halt! Und drunt beim Kreuz, da hat’s a bißl zum weinen angfangt. Da hab ich mich mit ihm in Schatten eini ghockt und hab ihm Blümerln bracht. Und den Kuckuck hab ich nachgmacht, ja. Und an Spielhahn, wie er falzt. Da war’s nacher gleich wieder zfrieden. Und pappelt hat’s, als ob wir schon hundert Jahr gut Freund wären mitanand. Und in d’ Haar und in Bart hat’s mi eini griffen mit die kleinen Handerln und hat mich beutelt, als ob’s a Schulmeister wär. Und bei der Nasen hat’s mich packt, und allweil hat’s mich Atti gheißen, Atti, Atti –“

„Net so laut!“ mahnte Modei. „Es schlaft schon ein!“

„Ja, und denk dir“, sprach Friedl flüsternd weiter, „dö Freud, dö d’ Mutter ghabt hat, wie ich’s bracht hab in der Fruh! Und wie mir eingfallen is, daß ich ’s Kindl auffitragen möcht zu dir, hat d’ Mutter gstritten und hätt’s am liebsten gar nimmer herlassen!“

Auf den Zehenspitzen trat Modei aus der Kammer und schloß mit leiser Vorsicht die Tür. „Dös freut mich von deiner Mutter. Jetzt wird s’ mir mein Büberl aber doch a paar Tag lang lassen müssen!“

„Na na, Modei! Am Tag tut’s es schon daheroben. Aber bei der Nacht is d’ Luft a bißl scharf für so a kleins Dingerl. Bis um fünfe müssen wir wieder durch. Da komm ich grad noch vor’m Schatten heim.“