Als Friedl die Hütte umschritten hatte

Als Friedl die Hütte umschritten hatte, fand er eine kleine Gesellschaft, die im Schatten des vorspringenden Daches beisammenhockte.

Auf einer Holzbank, die man aus der Almstube herbeigetragen hatte, saßen Punkl, Monika und ihre Freundin von der Scharfreiteralm, die Philomena. Die war so breit, wie ihr Name lang war. Vor den dreien stand der Tisch, dessen Alter erst eine Stunde zählte: zwei in den Boden gerammte Pfähle und ein darüber genageltes Brett. Auf dem Tisch, in dessen Mitte die mächtige Schüssel mit den frisch gebackenen, appetitlich aussehenden „Schucksen“, prangte, standen vier Kaffeetassen von verschiedener Qualität: die eine wollte nicht mehr gerade stehen, an zweien fehlte der Henkel, und bei der vierten ließen nur noch kleine Flimmerchen am Rand erkennen, daß sie vorzeiten einen schmalen Goldreif besessen hatte. Die vier Blechlöffel, die zwischen den Tassen lagen, zeigten eine schaufelartige Größe.

Der alten Punkl gegenüber, auf einer zweiten Bank, saß die andere Sennerin vom Scharfreiter, ein schlankgewachsenes, pfiffiges Mädel, die Binl, zwischen zwei Bauernburschen, dem Schnaderer-Hans von Winkel und dem Gauveitl-Gori von Achental. Während Lenzl auf dem Rasen ein bequemes Plätzchen gewählt hatte, deutete eine umgestürzte Wasserbutte an der Schmalseite des Tisches den Platz an, der für Modei bestimmt war.

In kummervollen Klagetönen, unter dem Schmunzeln der lauschenden Gesellschaft, erörterte Punkl die medizinischen Schwierigkeiten ihres leidvollen Daseins. „Ich sag’s enk, Madln, laßts enk verwarnigen von mir, solang’s noch Zeit is, und tuts an enker kostbare Gsundheit denken! Wann a Mensch da ebbes versaumt, da kommen zwidere Folgen. Die ganze Nerviatur verschlagt sich aufs Konstiduziament. Dös is a Naturgesetz, hat der Doktermartl gsagt. Und da hab ich an argen Gsundheitsversaumnisfehler verübt. Soviel reuen tut mich dös. Und spaternaus wird’s allweil rarer mit die Kurglegenheiten.“ Sie seufzte tief. „Auf’n gestrigen Abend hätt ich soviel Zutrauen ghabt. Aber es hat halt net mögen, es hat net mögen.“

„Was mich anbelangt, ich sorg allweil fleißig für mei’ Gsundheit!“ erklärte Philomen mit ernster Breite. „Eh daß ich da ebbes versaum, bleib ich lieber amal von der Kirch daheim.“

„Ah, was, geh“, stichelte die Binl, „wer wird denn so unchristlich sein! Für’n Herr Pfarr muß man allweil ebbes übrig haben.“

Da gewahrte Lenzl den Jäger und sprang mit einem Jauchzer vom Rasen auf. „Ah, schau, der Friedl! Gar net träumen hätt ich mir’s lassen, daß du heut noch da auffi kommst.“ Er kicherte und wurde leis: „Ich wart schon allweil seit in der Fruh!“

Auch von den anderen wurde Friedl munter begrüßt. Nur Punkl schien in schlechte Laune zu geraten, weil sie durch den Anblick des Jägers an den unbarmherzigen Hies und an die Enttäuschung des verwichenen Abends erinnert wurde. „Du, dein Kamerad, dös is a schiechs Luder!“ schimpfte sie erbost. „Äpfelschmarren kann er fressen. Aber sonst kann er nix.“

„Da tust d’ Mannsbilder unterschatzen“, sagte Philomen, „wann s’ mögen, können s’ alles.“