Der schob ihn von sich. „Nit so laut, Herr Vogt!“ Er schielte nach der Türe. „Herr Heinrich könnt uns hören.“

Des Fraters Sorge war unbegründet. Herr Heinrich weilte noch immer in der Jägerhütte. Er hatte einen neuen Verband um Haymos Wunde gelegt und den Arm in einer Schlinge befestigt, damit nicht eine ungestüme Bewegung des Schläfers eine neue Blutung hervorriefe. Nun blickte er suchend umher.

„Wo ist das Mädchen?“

Desertus ging rasch zur Türe. Vor der Hütte saß Gittli auf der Bank; ihre Tränen waren versiegt; verloren starrte sie hinaus in die sinkende Nacht. Desertus berührte ihre Schulter. Sie fuhr erschrocken zusammen und erhob sich.

„Komm, Gittli! Herr Heinrich fragt nach dir.“ Er nahm ihre Hand und führte sie in die Stube.

„Nun, willst du nicht sehen, wie es deinem Pflegling geht?“ sagte der Propst. „Komm her! Sieh nur, wie gut und ruhig er schläft!“

In wortlosem Danke wollte sie Herrn Heinrichs Hand küssen.

„Laß doch, du Kind!“ sagte er. „Ich habe zu seiner Rettung nicht das mindeste getan. Haymo wäre ein verlorener Mann gewesen ohne dich. Er hat dir allein zu danken, daß er nun leben wird.“

Ein Seufzer, heiß und freudig, schwellte Gittlis Brust. Mit leuchtendem Blick hing sie an Haymos blassen Zügen; dann fuhr sie mit der Hand über die feuchten Augen und wandte sich zur Tür.

„Wohin willst du?“ fragte Herr Heinrich.