„Jetzt braucht er mich nimmer!“ lispelte sie. „Heim will ich gehen.“

„Mädchen! Es ist finstere Nacht!“ sagte Desertus erschrocken.

„Ich fürcht mich nit. Es ist sternscheinig, den Weg kenn ich auch, und auf der Alm kann ich nächtigen.“

„Dort schlafen die Knechte!“ warf Herr Heinrich ein; dann lächelte er. „Und denke nur, wenn Haymo morgen erwacht und fragt nach dir? Was sollen wir ihm sagen? Willst du nicht bleiben?“

„Wenn ich darf?“ stammelte sie. „Schauet, Herr, ich nehm doch keinem seine Liegerstatt weg. Ich setz mich dort auf den Herd.“

Sie wollte in ihren Winkel schleichen, aber Herr Heinrich rief sie noch einmal zurück. „Gittli,“ sagte er freundlich, „du bist doch kein Kind mehr, du solltest nicht so herumlaufen.“ Er deutete auf ihre Arme, die bis über die Schultern nackt waren, und auf einen Riß, der in ihrem Hemd fast bis zum Gürtel ging.

Sie sah ihn mit großen Augen an. „Ich hab mir die Ärmel weggerissen, weil ich das Leinen gebraucht hab. Für ihn.“

Da ging er auf sie zu, legte ihr die Hand auf den Scheitel und sagte leise: „Deo placebis in nuditate tua!“ Und zu Desertus sich wendend, fuhr er in lateinischer Sprache fort: „Kann eines Fürsten Tochter reicher sein an edlen Steinen und Geschmeide, als dieses Bettelkind an Schätzen des Gemüts?“

Der Chorherr schwieg; seine träumenden Augen hingen an Gittli, die zum Herde ging, in ihre Jacke schlüpfte und sich leis in den Winkel kauerte.

Herr Heinrich war an Haymos Lager getreten und hatte seine Hand auf die Stirn des Schlummernden gelegt. „Das Fieber ist gemildert, und der Schlaf wird ihn erquicken. Er hat gesundes Blut und eine gute Natur. Ich hoffe, wir haben den Mann in drei Tagen wieder leidlich auf den Beinen. Ich will Wein herüberschicken, davon soll er bekommen, wenn er munter wird in der Nacht. Und Frater Severin soll bei ihm wachen.“