„Zweimal, Herr! Das erstemal drunten am Seesteig.“ Sie stockte; denn sie durfte Herrn Heinrich doch nicht sagen, welchen Schreck sie damals empfunden hatte — Schreck und Furcht vor einem Gottesmann! Leise sprach sie weiter: „Und das andermal am Ostertag.“ Da kamen ihr die Tränen.

„Was hast du, Gittli, warum weinst du?“

„O mein Gott, schauet, Herr, er ist dazugekommen, wie unser Kindl hat verscheinen müssen, unser liebes, gutes Kind!“

„Komm, Gittli, komm, setz dich!“ Er führte sie zu einer Bank. „So! Und jetzt sage mir, wie war es mit dem Kind?“

Unter Tränen erzählte sie in ihrer schlichten Weise von Mimmidatzis kurzem Leben. „Schauet, Herr, wie ein Lichtkäferl ist das Kind gewesen in unserem Sorgenhaus, wie ein Blüml im Winter, und in aller Herzensnot wie ein Stückl ewiges Brot, von dem man allweil hat zehren können, und es ist doch nit weniger worden. Und jetzt hat’s verscheinen müssen! Warum denn? Warum?“

Frater Severin klapperte am Herd mit seinen Pfannen; ein Zittern war ihm in die Hände gekommen; auch mußte ihm was ins Auge geflogen sein, denn er wischte immer, aber es wollte nicht helfen.

Herr Heinrich hielt die Hände des Mädchens gefaßt und blickte tiefbewegt in Gittlis Gesicht, das von Tränen überronnen zu ihm emporgerichtet war, wie einer tröstenden Antwort harrend.

Hätte nicht das Feuer geknistert, der Regen über dem Schindeldach geplätschert und Herr Schluttemann auf dem Heuboden ein klein wenig geschnarcht, es wäre ganz still gewesen in der Küche.

„Warum? Ja, warum?“ Herr Heinrich setzte sich an Gittlis Seite. „Das fragst du? Das weißt du nicht? So ein kluges Dirnlein wie du? Geh doch, Gittli, wie kannst du nur so fragen?“

Sie wurde verlegen und suchte nach Worten. „Weil ich’s halt doch nit weiß, Herr!“