„Aber freilich weißt du es! Welch ein liebes, holdes Kind euer Mimmikätzlein war, das weißt du doch, gelt?“

„Ja, Herr, ach ja, ja, ja!“

„Und nun denke dir: wenn das Kind hätte leben müssen und Schmerzen leiden und siechen, und böse Menschen hätten es gestoßen, getreten und geschlagen, und es hätte Unglück über Unglück erfahren, Kummer über Kummer, Not und Elend? Und du und des Kindes Mutter, ihr hättet das alles mit ansehen müssen? Hätt euch das im Herzen nicht weher getan als jetzt, weil es verschienen ist?“

„Ach Gott!“ klagte Gittli und wehrte mit beiden Händen, als wollte sie den Gedanken, daß ihr Mimmidatzi hätte leiden müssen, gar nicht eindringen lassen in ihr Herz.

„Gelt? Da ist halt wieder einmal der liebe Herrgott gescheiter gewesen, als wir alle miteinander. Der hat sich gedacht: nein, so was laß ich nicht kommen über das liebe gute Kind, da nehm ich es lieber zu mir herauf in meinen Himmel und mach ein Englein aus ihm, damit es in Freude und Glückseligkeit hinunterlachen kann auf sein Heimatl, und damit es ein fester Schutzengel sein soll für seine lieben Leut!“

„O mein, brauchen täten wir freilich einen!“ seufzte Gittli tief auf; und zu Herrn Heinrich emporblickend sagte sie: „Schauet, Herr, ich hab mir allweil so was gedacht, aber ich hab mir’s halt völlig nit sagen können.“

„Gelt, siehst du, daß du es weißt!“

„Ja, und es muß auch wahr sein, denn hätt ich den Schutzengel nit gehabt, ich hätt den Haymo nimmer finden können, und jede Stund derzeit, Tag und Nacht, hab ich das Kind allweil bei mir sitzen sehen, und allweil hat’s mich angelacht. Gelt, Herr Heinrich, unser Herrgott ist doch ein guter, guter Mann?“

„Das mein’ ich! Und drum sei gescheit, Gittli, verlaß dich nur auf ihn und wisch dir die Zähren ab! Und dann laß dir vom Frater Severin eine tüchtige Schüssel voll Suppe geben, trag sie hinüber zum Haymo und sorge dafür, daß er tüchtig ißt.“

Jetzt lächelte Gittli. „Da seid nur ganz ruhig, Herr Heinrich, ich will schon hineinstopfen in ihn, was Zeug hat!“