Frater Severin kam bereits mit der Schüssel. „Nimm, Dirnlein, nimm!“ flüsterte er und zwinkerte mit freundlichen Augen. „Die besten Bröcklen hab ich für ihn gefischt.“
„Vergeltsgott!“ sagte sie, nahm die Schüssel und ging mit achtsamen Schritten davon, die Augen starr auf die Suppe gerichtet, um nur ja keinen Tropfen zu verschütten.
Herr Heinrich blickte ihr lächelnd nach. „Warum? Warum? Du alte, ewig menschliche Frage! Wärst du doch in jeder Brust so leicht zu geschweigen, wie in dem Herzen dieses Kindes!“
Als er die Herrenstube betreten wollte, fühlte er einen Kuß auf seiner Hand. Frater Severin stand vor ihm mit brennender Nase.
„Wie, Bruder? Auch du gerührt? Mens agitat molem?“ lachte Herr Heinrich. „Aber es hilft dir nichts! Der Bauch muß weg.“
„Herr Heinrich!“ schmollte der Frater und zeigte eine gekränkte Miene. „Wenn Ihr meinet, daß ich es deshalb tat, dann —“ Er streckte den Bauch heraus und trommelte mit beiden Händen drauf. „Dann nehmet nur gleich ein Messer und schneidet zu! Ich will stillhalten!“
„Bruder! Bruder!“ drohte Herr Heinrich. „Wenn ich dich beim Wort nähme? Doch sei beruhigt, ich tu’s nicht. Es ginge dir ans Leben. Und wer brächte mir dann die Suppe? Denn mich hungert, Bruder!“
Frater Severin rannte, daß die Kutte flog.
Inzwischen hatte Gittli die Jägerhütte erreicht, in welcher Walti plaudernd bei Haymo saß. „Da schau,“ sagte sie, „was ich da jetzt bring!“
Haymo richtete sich auf. „Gittli!“ Hätte er tausend Worte gesprochen, er hätte mehr nicht sagen können, als was der Klang dieses Namens verriet und was der leuchtende Blick seiner Augen sprach.