Eine Viertelstunde später waren sie alle zur Heimfahrt gerüstet. Als Wolfrat die beiden Knechte mit hochbeladenen Kraxen davonschreiten sah, erhob er sich von der Bank. Die Ungeduld der Furcht zitterte ihm in allen Fibern. Er trat an das Fenster und rief hinein: „Soll ich noch allweil warten, Herr?“

„Ja, Wolfrat!“ klang Herrn Heinrichs Stimme, als eben Gittli zu ihm in die Stube kam, um Abschied zu nehmen. Er sah sie freundlich an. „Geh mit Gott, mein Kind!“ sagte er und bot ihr die Hand. Als sie diese Hand küßte, fiel eine Zähre aus ihren Augen. „Gittli? Bekümmert dich etwas?“

Sie schüttelte den Kopf und schlich davon. Vor ihrem Bruder blieb sie stehen. „Gelt, ich kann der Seph schon sagen, daß du bald heimkommen wirst?“

„Sagen kannst ihr’s allweil!“

Sie wollte gehen. Unruhig blickte Wolfrat ihr nach. Jetzt sprang er auf.

„Dirn!“

Sie wandte sich, und da streckte er wortlos die Hand. In Kummer, die Lippen stumm bewegend, blickte sie zu ihm auf, als sie ihre Hand in die seine legte.

„Tummel dich, Dirnlein, daß wir weiterkommen!“ mahnte Frater Severin.

„Ich geh schon!“ Sie eilte zur Jägerhütte und fand die Stube leer. Erschrocken kam sie herausgelaufen. „Wo ist der Haymo?“

„Vor einer Weil hat er dem Hund gepfiffen,“ rief ihr Wolfrat zu, „und ist da hinaufgestiegen nach den Halden.“