Der Sudmann schöpfte Wasser mit den Händen.
Herr Heinrich schwieg eine Weile, dann fragte er: „Wollen die Flecken noch immer nicht weichen?“
„Zur Hälft sind sie weg,“ murmelte Wolfrat mit versunkener Stimme, „aber die andern —“
„Wasch nur! Laß dich die Zeit nicht verdrießen. Ich warte schon, jawohl. Und jenen andern kann ich auch noch erwarten, bis er kommt und die roten Händ herzeigt. Wenn’s nur dann nicht zu spät ist zum Waschen. Und wenn er gar nicht reden wollt, einer ist doch immer da, der in einer bösen Stund gegen ihn reden wird!“
Zögernd, mit scheuen Augen, blickte Wolfrat auf den Mund des Propstes.
„Einer, der es gesehen hat!“ sagte Herr Heinrich und deutete zum Kreuz empor. „Der da, Wolfrat!“
„Der?“ Ein irres Lächeln zuckte um Wolfrats Lippen, während er langsam die Augen hob. Dann schüttelte er den Kopf. „Es hat noch nie kein Holz geredt!“
Ein Wolkenschatten flog über den Grund.
„Meinst du?“ lächelte Herr Heinrich.
Schwer atmend beugte Wolfrat sich über die Kanne, um mit den hohlen Händen Wasser zu schöpfen. Da klang aus den Lüften ein dumpfes Murren, das zum rollenden Donner wuchs, um mit einem krachenden Schlag zu enden. Eine Lawine hatte den letzten Schnee von den Wänden gestürzt.