Herr Heinrich schritt hinter dem Pferde her; immer blieb er stehen und blickte über das Steintal aus. Wenn er wieder ging, schüttelte er den Kopf. Es schien, als hätte er etwas erwartet, und das wäre nicht eingetroffen.

Ruhig und sicher ging das berggewohnte Pferd den rauhen Pfad; kamen schiefe Platten, dann legte es den Leib zurück und rutschte auf den vorgeschobenen Hufen. Vorerst hatte der Knecht, der es führte, leichte Arbeit. Unermüdlich plauderte er drauf los, und es störte ihn nicht, daß Haymo keine Antwort gab. Mit besonderer Wichtigkeit erzählte er die wunderliche Nachricht von der Eggebäuerin; zuerst schickte er voraus, was er am verwichenen Abend von der Magd gehört hatte. „Und heut in der Früh,“ erzählte er weiter, „hab ich den Bader getroffen. Der hat kaum reden können vor Lachen. Und da ist’s aufgekommen, was der Bäuerin allweil gefehlt hat. Sie hat einen großmächtigen Schwollen[25] in ihr drin gehabt, schier so groß wie ein Faßl, und wie sie mit dem Bauer ins Raufen gekommen und auf den Boden hingeschlagen ist der ganzen Läng nach, hat’s einen Knall getan, und der Schwollen ist aufgesprungen. Ja! Was sagst! Und jetzt wird das Weib gesund, grad weil sie kein Herzkreuzl gekriegt hat! Und der Bauer! O du mein Herrgott! Der soll herumgehen mit einem Kopf wie ein Metzen. Derweil das Weib krank war, hat er das Fegfeuer gehabt, und jetzt, wo sie wieder gesunden tut, wird er die Höll kriegen. Die kann aufhauen! Vergeltsgott, da bleib ich schon lieber ledig, eh ich mir so eine nimm.“

Sie hatten den Wald erreicht. Die niederstehenden Äste, denen Haymo mit dem Kopf ausweichen mußte, rissen ihn aus seiner Versunkenheit. Und als seine Augen erst einmal lebendig wurden, gingen sie auch fleißig in die Runde.

Der Pfad wurde steiler und der Knecht mußte das Saumpferd fest in die Hand nehmen. Nur langsam ging der Abstieg vonstatten. Einmal blieb Herr Heinrich lauschend stehen. Er schüttelte den Kopf und ging wieder weiter. Doch nein, er hatte sich nicht getäuscht. Nun klang es wie eilende Schritte weit hinter ihm. Ein zufriedenes Lächeln umspielte die Lippen des Propstes. Er setzte sich auf einen gestürzten Baum und wartete.

In langen Sprüngen kam Wolfrat über den Pfad heruntergestürmt. Der Schweiß troff ihm von der heißen Stirn, und keuchend blieb er vor dem Propste stehen. Eh’ er noch Atem fand, begann er schon zu reden. „Herr! Jetzt sind sie alle weg. Auch der letzte, der schier gar nit weichen hat wollen.“

„Wirklich?“

„Ich hab nit ausgelassen. Und jetzt hätt ich eine Bitt, Herr!“

„Sprich, Wolfrat!“

„Lasset mich mit Euch gehen, Herr! Schauet, auf mir liegt die Not wie ein Trumm Stein, aber ich mein’, es wär mir nirgends so wohl als wie bei Euch.“

„So komm!“ Herr Heinrich erhob sich.