Mit zitternden Händen faßte Pater Desertus den Kelch, drückte die Lippen auf seinen Rand und deckte das Mäntelchen darüber.
Eusebius, der Priester, verwandelte sich in den Arzt; er tat, was seine Kunst an solchem Orte zu tun vermochte.
„Ist noch Hilfe?“ fragte Herr Heinrich, schon mit Zweifel in der Stimme.
„Nicht mehr bei Menschen!“ lautete die ruhige Antwort des Greises.
Mit matter Stimme rief Haymo einen der Knechte. „Nimm das ewige Licht!“
„Was ist dir, Haymo?“ fragte der Propst erschrocken.
„Mir ist schwindlig, Herr!“
Er hatte kaum ausgesprochen, als er ohnmächtig zu Boden sank.
Man hob ihn auf und labte ihn; er kam zu sich, aber die Füße wollten ihn nicht mehr tragen. Vom Seedorf waren zwei Knechte mit einem Kahn gekommen; es waren die beiden, aus deren Händen Gittli von Haymo erlöst worden war. Sie trugen den Jäger in den Nachen. „Schaffet ihn auf einer Bahre ins Kloster,“ befahl der Propst, „und schweiget von allem, damit nicht ein Unberufener dem armen Weib des Sudmanns die schlimme Botschaft zutrage.“ Und auf Wolfrat deutend, sagte er zu Pater Eusebius: „Diesen da vertrau ich deiner Pflege; bessere weiß ich nicht. Nimm ihn mit in die Klause, tue, was du vermagst, opfere deine Tage und Nächte, vielleicht läßt sein Leben sich noch erhalten.“
Eusebius zuckte die Schultern, während die Knechte den Bewußtlosen achtsam in das Schiff hoben. „Er muß eine Natur haben wie ein Baum. Doch die Säge ist zu tief gegangen. Er kann noch Stunden, noch Tage ringen, aber —“ Eusebius schwieg.