„Und sieh, mein Kind, da hab ich nun dem Wolfrat in seiner Not gelobt, daß ich sorgen will für seine Leute. Für die Seph hab ich’s ja schon getan.“

Ein dankbarer Blick traf ihn aus Gittlis Augen.

„Jetzt muß ich aber auch an dich denken. Und schau, da wüßt ich einen guten Platz für dich in Salzburg bei den Domfrauen.“

Gittli erbleichte vor Schreck.

„Nun, was meinst du?“

„Ich bitt schön, Herr,“ stammelte sie mit versagender Stimme, „lasset mich hier bleiben! Ich müßt sterben vor Angst, wenn ich nit alle Tag hören tät, wie’s der Schwährin und dem Bruder geht.“

„Das wirst du hören, jawohl. Es gehen viele Salzkarren vom Sudhaus weg nach Salzburg. Da schick ich dir täglich eine Botschaft, ich versprech es dir.“

„Ich bitt, Herr, bitt, lasset mich bleiben! Und wenn ich schon kein Heimatl mehr haben soll, schauet, ich tät mich gern eindingen bei einem Bauern. Meine Händ und Arm sind freilich ein lützel mager, aber ich kann deswegen doch schaffen wie eine richtige Dirn.“

„So? Und was möchte dein Bruder dazu sagen? Er ist kein Höriger, sondern ein freier Mann. Soll er sich jetzt in seiner Not noch kümmern, wenn seine Schwester dienen muß?“

„Schaffen ist keine Schand, Herr! Er hat doch auch geschafft seiner Lebtag.“ Und da kam ihr plötzlich ein Gedanke, den sie in sprudelnden Worten hervorstürzte: „Herr! Aufs Almen tät ich mich auch verstehen, vielleicht nimmt mich der Eggebauer auf seine Alm in die Röt hinauf.“