„Nit durch meine Schuld!“ stotterte Severin. „Aber der Vogt hat gestern gar nit weichen wollen.“
„Haben ihn denn die Knechte der Frau Cäcilia nicht geholt?“
„Wohl, Herr, aber er ist nit gegangen, er hat ihnen ein Pergament mit heimgegeben und ist hocken geblieben.“
„Und da habt ihr ihm Gesellschaft leisten müssen?“
Frater Severin machte ein ehrerbietiges Gesicht. „Er ist der Vogt, Herr! Wer seiner Würde nit achtet, beleidigt das Kloster.“
„Natürlich! Nur immer eine gute Ausrede! Ich werde dieser Höflichkeit einen Riegel vorschieben müssen. Aber sag, was machst du da?“
Der Frater atmete auf, als er das heikle Thema beendet sah. Eilfertig gab er zur Antwort: „Die Nieswurz reiß ich wieder aus.“
„Die Nieswurz? Wie kam sie in den Garten?“
„Ich hab gemeint, ich könnt ein Beet mit Schneerosen anlegen, und da hab ich vergangen Jahr im Frühling ein paar Dutzend Wurzen heruntergenommen von der Röt, hab sie hier eingelegt und hab getan, was ich nur allweil gemeint hab, daß es gut wär. Aber nit eine einzige hat getrieben im Winter, und wie ich jetzt nachschau, find ich, daß alle Wurzen vertrocknet sind. Schauet nur!“ Er nahm eine der ausgerissenen Wurzeln, brach sie entzwei und zeigte dem Propst das dürre Gewebe. „Kein Tröpfl Saft mehr! Eine Schneeros laßt sich halt nit verpflanzen. Die will Felsen, Bergstürm und Lahnen. Die Luft im Tal und der feine Boden tun ihr nit gut. Da kann einer machen, was er will. Eine Schneeros laßt sich halt nit verpflanzen.“ Er warf die dürren Strünke von sich. „Schad um die Wurzen! Droben hätten sie geblüht.“
Herr Heinrich blickte sinnend vor sich hin; sein Blick folgte der Straße im Tal, die über Schellenberg hinausführte gegen Salzburg. Er nickte. Und wortlos ging er davon.