„Ich höre, dein Weib war krank. Wie geht es jetzt?“
„Es macht sich, Herr, jawohl!“ Der Bauer seufzte und strich mit der Hand übers Haar. „Der Bader meint, sie könnt in acht Tagen schon wieder aufstehen.“
„So? Das hör ich gern.“ Herr Heinrich tätschelte beruhigend den Hals des Pferdes, das ungeduldig mit den Hufen scharrte. „Ja, ja, Eggebauer, du mußt gut angeschrieben stehen beim lieben Herrgott. Schau nur, dir schickt er Freude und Genesung ins Haus, und deinem Nachbar, dem armen Sudmann, hat er Not und Tod geschickt.“
Der Eggebauer schlotterte an Händen und Füßen.
„Nun? Du fragst gar nicht, wie es dem Wolfrat geht? Ich höre doch, du wärst allweil sein bester Freund gewesen? Hast ihm doch an Ostern das Lehent geliehen?“
„Wohl, Herr, ja, das Lehent, ja, das hab ich ihm geliehen, weil — weil er so ein armer Hascher ist!“ lallte der Bauer. „Wohl! — Und — freilich, Herr, freilich — da möcht ich schon fragen, wie’s ihm geht, dem Wolfrat?“
„Schlecht, Eggebauer! Der arme Teufel geht seinem letzten Stündl entgegen.“
Der Bauer atmete auf; einer, der vor dem letzten Schnaufer steht, so dachte er, kann nimmer reden!
Herr Heinrich blickte auf den Sattelknauf und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Was mag der Wolfrat nur getan haben, daß Gott eine so schwere Straf über ihn schickt? Er war doch allweil ein braver, redlicher Mensch. Wenn er was Übles getan hat,“ Herr Heinrich blickte auf, „da muß ihn ein anderer dazu verhetzt haben. Meinst du nicht auch, Bauer?“
„Wohl, Herr — allweil ist er ein braver Mensch gewesen — der Wolfrat — allweil!“ Dem Eggebauer trat der kalte Schweiß auf die Stirn.