Mit jähem Ruck setzte er den brennenden Klotz auf die verkohlte Grasbahn, fing zu laufen an und wirbelte die Scheibe, daß die Funken emporstoben wie aus einer Esse. Dicht vor dem Absturz hielt er inne. „Gittli, ich tu dich grüßen!“ Das schrie er mit zitterndem Ruf in die Nacht hinaus. Und von mächtigem Schwung getrieben, surrte das feurige Rad in weitem Bogen über den Abgrund.

Alle rannten zum Feuerpalfen. „Schauet nur, schauet,“ riefen die Mädchen, „so hat noch keiner eine Scheib getrieben!“

Inmitten der Lärmenden stand Haymo und blickte stumm seiner Scheibe nach, die einer fallenden Sonne gleich in die Tiefe sank und immer noch keinen Grund erreichte.

„Schauet, schauet,“ rief es rings um ihn her, „sie fallt hinunter bis in den See!“

Tiefer und tiefer sank das kreisende Feuerrad, es wurde kleiner und kleiner, nun glich es schon einem winzigen Stern, und jetzt — die Scheibe mußte auf einen Fels gefallen und zersplittert sein — jetzt sprühte der Stern in hundert Funken auseinander, die sacht erloschen.

Schwer atmend schloß Haymo die Augen. So war sein leuchtendes Glück zerbrochen, versunken und erloschen.

Er wand sich aus dem jubelnden Kreis und trat in die Finsternis des Waldes. Dort stand er im schwarzen Schatten der Bäume und starrte nach dem erlöschenden Sonnwendfeuer, dessen zuckende Flammen vor dem Licht des steigenden Mondes erblaßten. Er sah, wie eine Sennerin nach der andern zum Feuer trat, um die Kienfackel zu entzünden. Paarweis zogen sie davon, bergab oder seitwärts über die Halden, jede Dirn mit ihrem Buben. Grüße, Jauchzer und Jodler hallten von allen Pfaden durch die mondhelle Nacht. Und vom Steig herauf, der hinunterführte ins Klosterdorf, klangen noch die gurgelnden Töne der Sackpfeife. Bald waren die letzten Gestalten der Heimwärtsziehenden im Dämmerschein der Mondnacht entschwunden, und man sah auf allen Wegen nur noch die Fackeln ziehen, gleich gaukelnden Sternen, und jeder von diesen Sternen leuchtete einem heimlichen Glück, zärtlichem Geplauder und endlosen Küssen.

Haymo wollte aus dem Wald hervortreten. Da sah er noch einen letzten zu dem erlöschenden Feuer treten. Jörgi war es; er steckte ein Bündel Späne in die Glut, und als sie Feuer fingen, trug er die heilige Sonnwendflamme in Zenzas Hütte.

Haymo wollte ihm nicht begegnen; im Schatten des Waldes schritt er langsam dahin. Als er dann quer über das Almfeld wanderte, hörte er plötzlich in seiner Nähe ein bitterliches Weinen. Unter einer einsam stehenden Fichte sah er Zenza auf der Erde sitzen; sie hielt das Gesicht mit den Händen bedeckt, ihr ganzer Körper schauerte von Schluchzen. Sie hörte seinen Schritt nicht; erst als er, leis ihren Namen nennend, die Hand auf ihre Schulter legte, blickte sie erschrocken auf. „Was willst du von mir?“

„Ich hab dich weinen hören. Das hat mir weh getan. Und ich möcht dir’s abbitten, wenn ich dir etwas Ungutes angetan hab. Schau, Zenz, ich kann nichts dafür.“