Sie lachte zornig.
„So mußt du nit sein, Zenza! Es kann doch keines was dafür. Es hat halt nit sein mögen, daß wir zwei uns zusammenfinden in Freud und Fried. Schau, Zenz, so laß uns zusammenstehen und gute Kameradschaft halten im Herzleid! Könntest du nur hineinschauen in mich, wie’s ausschaut da drin. Ich weiß, du tätst mir nimmer zürnen, sondern tätst ein Erbarmen mit mir haben.“
„Haymo!“ stammelte sie und zog ihn an ihre Seite. „Komm, schau, tu dich vor mir nit scheuen! Vor mir kannst du alles reden. Was hast du für ein Herzleid? Sag’s, Haymo!“
In heiß quellendem Schmerze rang es sich aus seiner Brust: „Ich kann das Mädel nit vergessen. Ich würg mich und plag mich und zwing mich, und ich kann sie halt nit vergessen. Wo ich hinschau bei Tag und Nacht, überall steht ihr Gesicht und schaut mich an. Jedes Lüftl im Wald, jedes Wasser, das ich rinnen hör, alles hat dem Mädel seine Stimm. Jedes schlachtige[28] Bäuml, jedes Blümel tut mich mahnen dran. Und den See, den darf ich schon gar nimmer anschauen. Und nienderst hab ich kein Bleiben nimmer. Bin ich draußen, so treibt’s mich heim, und bin ich daheim, so treibt’s mich wieder fort. Das ganze Herz brennt’s mir zusammen wie ein dürres Scheitl Holz. Ich spür’s, Zenza, ich muß versterben dran!“
„Haymo! Jesus, Maria! Du mein lieber Bub!“ Sie verstummte. Dann sprach sie weiter, mit ruhiger, fester Stimme: „Weswegen sollst du das Mädel vergessen müssen? Tut dich vielleicht die Gittli nit mögen? Aber geh, so eine dumme Frag! Wie soll dich eins nit lieb haben? Ich weiß schon — ich hab’s gehört, man hat sie fortgeschafft, gelt?“
„Ja, Zenza!“
„Ich weiß nit. Es hat geheißen, man tät ihr Glück machen.“
„Glück?“ murrte das Mädel. „Das Glück, das die Herrenleut für unsereins übrig haben, das geb ich keiner Kuh zu fressen. Aber sag, wo ist sie denn hingekommen?“
„Nach Salzburg zu den Domfrauen.“