„Mein Gott, mein Gott, wär er nur daheim geblieben!“ stammelte sie und wankte zurück.
In der Stube kniete Gittli vor dem Bett, des Kindes kalte Finger behauchend, die zwischen ihren Händen lagen. Sie wurden nicht wärmer. „Seph, Seph!“ rief sie in quälender Angst und wollte zur Tür. Doch während sie sich erhob, schien es ihr, als hätte das Kind sein Köpfchen bewegt. Sie hatte recht gesehen. Ein leises Zucken ging über die Augenlider, und der kleine Mund bewegte sich, als wollt’ er sprechen.
„Mimmidatzi!“ schluchzte Gittli in neu erwachtem, freudigem Hoffen und warf sich auf die Knie.
Da hob das Kind ein wenig die Ärmchen und tastete mit gespreizten Fingern in die Luft. Gittli meinte, das Kind suche ihre Hände. „Ja, ja, mein Schatzi, das Handerl geben, gelt?“ flüsterte sie in heißer Zärtlichkeit, die beiden Hände des Kindes fassend. „Dittibas geht nit fort, nein, schau, ich bin bei dir! Kennst du mich nimmer, Schatzi?“
Es legte sich auf das bleiche Mündlein wie ein sanftes, müdes Lächeln; ein seufzender Atemzug, dann streckte sich das Körperchen, und durch die kalten Finger rann noch ein leises Zittern.
Jetzt kam die Mutter mit den warmen Tüchern gerannt. „Seph, Seph!“ rief ihr Gittli mit stammelnder Freude entgegen. „Besser geht’s, besser! Es kennt mich schon wieder, und wie ich mit ihm geredet hab, da hat es mich angelacht. Schau nur, Seph, schau nur, es lachet noch allweil!“
„O du lieber, lieber Herrgott!“ lallte Sepha. Die Freude benahm ihr fast die Stimme.
Nun griffen sie alle beide zu mit fliegenden Händen und hüllten das Kind von den Füßen bis an den Hals in die warmen Tücher; und wenn die Tücher zu erkühlen begannen, wurden sie wieder ersetzt durch andere, warme.
Und immer lächelte das Kind; nur war das kleine Gesicht so weiß wie Schnee, und der geschlossene Mund war anzusehen, als hätt’ er sich verwandelt in ein blasses Veilchen.
Stunde um Stunde verging. Und immer lächelte das Kind.