„Schau nach der Zeit, Bauer!“ keuchte Wolfrat.

„Da brauch ich nit schauen. Die neunte Stund ist kaum vorbei.“

„Und wie lang braucht einer vom Kreuz über die Almen herunter ins Ort?“

„Fünf Stund.“

„So muß ich droben am Kreuz schon wieder fort gewesen sein, bevor es Tag worden ist!“ sagte Wolfrat mit heiserem Lachen. „Darauf könnt einer schwören. Du auch!“

Der Eggebauer verfärbte sich. „Meinst du, es wird sein müssen?“

Wolfrat zuckte die Schultern, wischte mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und erhob sich; sein Atem war ruhig geworden, sein Gesicht so weiß wie die Wand. Er trat zum Tisch, griff in die Tasche und reichte dem Bauer eine hölzerne Büchse: sie war feucht, als hätte man sie in Wasser getaucht.

„Da nimm!“ sagte er. „Das Kreuzl mußt du dir selber herausschneiden. Ich hab mich tummeln müssen.“

Der Bauer öffnete die Büchse, die ein blutiges Herz enthielt, und schloß sie wieder. „Hast du die Schweißbluh auch?“

Wolfrat nickte und griff an eine Tasche seines Jankers. „Wenn ich die nit hätt? Für was hätt ich’s denn getan?“ Der Kopf fiel ihm auf die Brust und mit zitternder Hand strich er sich über den Scheitel.