Der Eggebauer, der eine Farbe bekam als hätte man ihm das Gesicht mit Kalk bestrichen, stotterte: „Lieber Herrgott, Polzer, was hast du getan?“
„Was ich dutzendmal im Krieg getan hab, wenn mich einer hat fassen wollen.“ Er machte mit der Faust einen Hieb durch die Luft und seine Augen funkelten in finsterer Glut. „Es hat sein müssen.“
„Polzer, Polzer!“ stöhnte der Bauer und schlug die Hände zusammen.
„Halt ’s Maul! Wenn’s einer hört, der es weiterredet, kommt es zur Halbscheid über dich. Und wo der Freimann haust, das weißt du! Seit voriger Woch hat er ein neues Rad, das alte hat er am Mattauser zuschanden gemacht, der in der letzten Gebnacht[13] den Klosterknecht gestochen hat. Und somit behüt dich! Ich hab dir und mir geholfen. Jetzt müssen wir’s auch tragen auf zwei Buckeln.“ Wolfrat wandte sich zur Tür.
Dem Eggebauer schlotterten die Knie; er wollte dem Sudmann nacheilen, brachte aber keinen Schritt zuwege. „Polzer!“ keuchte er. „Und das Schießzeug? Das hast du doch um Herrgotts willen nit verloren, wo’s ein Unrechter finden könnt?“
„Nein. Ich hab’s wieder geholt, und jetzt liegt es im Kesselbach in der tiefsten Klamm, mit einem Stein daran, den kein Wasser mehr in die Höhe treibt. Ich wollt nur, es läg was anderes auch dabei! Aus mir herausreißen kann ich’s nit.“ Er schlug mit der Faust auf seine Brust, nickte noch einen stummen Gruß und verließ die Stube.
Diesmal schwang er sich nicht über den Gartenhag, sondern ging auf die Straße zurück und betrat sein Lehen durch die Zauntür. In einem Winkel des Gartens rannte Lippele hinter den gackernden Hennen her. Wolfrat wollte ihn rufen; doch er schüttelte den Kopf: „Der Bub soll mir heut nit an die Hand rühren.“ Zögernd trat er ins Haus; im offenen Flur lag die Sonne; als aber Wolfrat über die Schwelle ging, bedeckte sein schwarzer Schatten den lichten Streif. Und wie still es war! Keines rief seinen Namen, keines trat ihm grüßend entgegen. Das Kind wird schlafen, dachte er sich, und sie wollen’s nicht wecken. Er stieß die Schuhe von den Füßen und betrat die Stube.
Neben dem Bett saß sein Weib im Weidenstuhl. „Grüß dich Gott, Seph!“ sagte er beklommen. Sie gab ihm keine Antwort, hielt die Hände im Schoß gefaltet, das zerraufte Haar hing ihr um die Schultern, und mit starren Augen, deren Tränen erschöpft waren, schaute sie ihm entgegen.
„Aber so red doch ein Wort! Wie geht’s ihm denn?“
Sie wollte sprechen, aber nur stumm bewegten sich ihre Lippen; dann plötzlich schrie sie laut auf.