Er warf einen Blick auf das Kind, und was er sah, machte ihn zittern an allen Gliedern. „Gib dich, Seph, gib dich!“ stammelte er und riß aus der Tasche einen ledernen Beutel hervor, welcher braune Flecken hatte und zwischen Wolfrats Händen schlotterte. „Gib dich, Seph! Schau, ich hab was heimgebracht, das muß helfen. Dem Vogt seinem Kind hat es auch geholfen. Gib einen Löffel her!“
„Polzer!“ schrie sie gellend auf und fuhr sich mit zuckenden Händen in die Haare. „Unser Kind! Unser liebes Kind! O mein Gott, mein Gott!“
„Seph?“
Er stürzte auf das Bett zu und riß das Laken weg, mit dem das regungslose Körperchen verhüllt war. Aschfahl wurde sein Gesicht, die eine Hand fuhr nach seinem Herzen, die andere ließ den Beutel fallen, aus dem das geronnene Blut, das er enthielt, in dicken Brocken auf die Diele klatschte. Und lautlos, wie ein Stier, den das Beil auf die Stirn getroffen, brach er zusammen.
„Polzer!“ kreischte Sepha und suchte ihn aufzurichten.
War es ein Schluchzen oder ein heiseres Gelächter, das von seinen Lippen schütterte und seine wirren Worte halb erstickte? „Und alles umsonst, alles, alles! Recht so! Ja, so hat’s kommen müssen. Jetzt liegt mein Kindl da. Und droben liegt der ander im Blut.“
„Heiliger Herr Jesus!“ stammelte Sepha. „Polzer! Polzer!“
Verstört sah er auf, ein Schauer rüttelte seinen Körper. Er hatte schon zu viel gesagt. Nun mußte er alles sagen. Mit beiden Armen umschlang er sie, drückte stöhnend sein Gesicht in ihren Schoß, und in dumpfen, hastigen Lauten bekannte er seine Tat. Alles sagte er: was ihn zum Wildraub verführt hatte, wie droben alles gekommen war, und wie ihm nur die Wahl geblieben zwischen Elend, Kerker, Peitsche — und dem, was er getan.
Sepha saß mit weißem Gesicht, wie eine Gestorbene, und ihre Hände zitterten, die auf seinem Kopfe lagen. Und als er verstummte, griff sie hinüber in die verwüsteten Kissen und faßte die starre kalte Hand ihres Kindes. „Dank’s deinem Herrgott, mein liebes Kind, weil du das nimmer hast erleben müssen!“
„Seph!“ stöhnte er.