Sie neigte das Gesicht zu ihm hinunter und sagte ganz leise: „Weißt du es auch, Polzer? Weißt du denn, was du getan hast? Nit bloß den andern hast du erschlagen. Uns alle, dich und mich und deinen armen Buben und —“
Er preßte die Hand auf ihren Mund.
„Nein, Seph, nein! Keiner weiß es. Nur ein einziger, der selber das Reden fürchten muß. Und wenn sie mich auf den Strecker spannen, ich sag’s nit. Und ich hab nichts anderes getan, als den Herrgott ans Kreuz geschlagen. Und wenn er selber noch leben sollt und wieder aufkommen —“
Er verstummte plötzlich und hob erschrocken den Kopf. Jäh schoß er in die Höhe, stand mit geballten Fäusten und starrte zur Kammertür.
Gittli stand auf der Schwelle; ihre zitternden Hände suchten eine Stütze am Pfosten, als wollten ihr die Knie brechen. Ihrem entsetzten Blick, ihren verstörten Zügen sah man es an — sie hatte alles gehört.
„Du!“ fuhr Wolfrat sie an. „Was willst du?“
Abwehrend streckte sie die Hand gegen ihn, das Grauen schüttelte ihre schmalen Schultern, und an der Wand sich entlang tastend, wollte sie zur Tür.
Mit zornigem Fluch sprang er auf und verstellte ihr den Weg. „Wohin?“
Da hob sie flehend die Hände. „Zu ihm! Zu ihm! Ob er tot oder lebig ist. Laß mich, laß mich! Ich muß zu ihm.“
„Zu ihm? Und warum zu ihm?“