„Weil ich sterb, wenn ich bleiben muß!“ Wie von Sinnen faßte sie ihn am Arm und suchte ihn von der Türe wegzuzerren. Er schleuderte sie zurück, daß sie zu Boden sank; sie raffte sich auf und stürzte wieder auf ihn zu.

„Dirn!“ knirschte er. „Du tust mir keinen Schritt aus dem Haus, oder —“ Er riß ein Beil von der Wand.

„Jesus im Himmel! Polzer!“ kreischte Sepha, aber sie hatte nicht die Kraft, sich aufzurichten.

Mit ausgebreiteten Armen stand Gittli vor dem Bruder. „Schlag zu, schlag zu! Hast ihn doch auch erschlagen. Tust mir nur eine Freud an, wenn du zuschlagst, daß ich dalieg und meinen letzten Schnaufer mach. Schlag zu! Oder traust du dich nit? Meinst du, es wär an einem schon genug? Dann geh von der Tür und gib meinen Weg frei!“

Sie stand vor ihm mit blitzenden Augen, als wäre sie gewachsen und um Jahre gealtert in dieser Stunde.

Er ließ das Beil sinken und maß sie mit funkelnden Augen. „Du bleibst!“

Es schien, als wollte sie ihn mit beiden Händen an der Brust fassen; aber sie besann sich und ging auf das Bett zu. „Schau her, auf dein armes Kind! Ich hab es lieber gehabt als mich selber, und heut in der Nacht hab ich gemeint, ich muß mir die Seel herausbeten aus dem Leib. Und schau, jetzt leg ich die Hand auf sein kaltes Herz: daß ich zu keinem Menschen ein Sterbenswort von dem sagen will, was ich weiß! Bist du zufrieden? So gib mir den Weg frei!“

„Du bleibst, sag ich! Und bevor ich nit in aller Ruh mit dir geredet hab —“

„So halt mich, wenn du kannst!“

Ehe sie noch ausgesprochen hatte, war sie in der Kammer verschwunden; er merkte ihre Absicht und stürzte ihr nach; bevor er die Schwelle erreichte, hatte Gittli sich schon auf die Brüstung des Fensters geschwungen. Mit einem Faustschlag zerfetzte sie den dünnen Schliem, mit dem der Rahmen verklebt war, sprang ins Freie und flog der Straße zu.