Diese Antwort machte sein Gesicht vor Freude glühen; aber er hielt fest; nun wollte er auch seinen Namen hören. „Wer bin ich?“

„Einer, den mir der Herrgott in der Röt geschickt hat.“

Er lachte. Den ‚Herrgott‘, der in der Röt am Kreuze hing, den hatte er geschnitzt. Eine Feine, die Zenza! Die Wörtlein stellen, das verstand sie wie keine! Aber jetzt sollte sie erst recht den Namen nennen, jetzt gerade!

„Wer bin ich?“

„Einer, der sich heut nacht an meinem Fenster nit hat klopfen trauen, wie er den Buschen gebracht hat, den ich am Mieder trag!“ Mit jähem Ruck riß Zenza die Hände des Burschen nieder, zog seine Arme fest um ihren Hals und blickte über die Schulter lachend zu ihm auf. Als sie sein Gesicht erblickte, verstummte ihr Lachen. „Ulei[14]? Du?“ Und weil er sie festzuhalten versuchte, stieß sie ihn zornig von sich.

„Aber Zenza? Ich bin’s ja doch —“ Er deutete auf die Veilchen an ihrer Brust.

Sie trat mit funkelnden Augen vor ihn hin. „Du? Du hast mir den Buschen gebracht?“ Mit häßlichem Lachen riß sie den Strauß von ihrem Mieder und warf ihn dem Burschen an den Kopf. „Da hast du mein Vergeltsgott!“

Ulei stand mit erblaßtem Gesicht, während Zenza in der Tür der Taferne verschwand. Sie mußte das Haus und einen Hof durchschreiten, um die Scheune zu erreichen, in welcher der Ostertanz gehalten wurde. Da ging es laut und lustig zu; auf dem Heuboden saßen zwei Fiedler und ein Sackpfeifer, die sich eben anschickten, einen neuen Tanz zu beginnen. Einzelne Paare traten schon zum Reigen an, die Weibsleute lachend, die Burschen jauchzend und mit den Füßen stampfend.

Unter dem Tor der Scheune blieb Zenza stehen und rief mit lauter Stimme in den wilden Lärm hinein. „Buben! Wer ist unter euch der ärmste und der mindest?“

Es wurde still, alle Gesichter wandten sich ihr entgegen; es wollte keiner der ärmste sein und keiner der schlechteste. Zenza trat in die Mitte der Scheune.